Ein Versuch darüber nachzudenken

Lange zeit funktionierte er gut, zu gut. Er funktionierte so gut, dass ich vergas, dass es mein Einziger ist. Ich konnte ihm zumuten was ich wollte, er nahm es hin. nahm es hin fast ohne zu murren. nur zum Schluss ein paar kleine Signale. kleine Signale, die ich überhörte. und wenn ich sie hörte, dann wusste ich sie nicht zu deuten.

Von was ich erzähle? Von meinem Körper. Vierzig Jahre lang funktionierte er. Man konnte ihm ja alles zumuten.Er war ja unkaputbar. Alles nahm er hin was man ihm gab; Nikotin, Stress Alkohol, schlechtes Cholesterin, zu viel Fett und noch einige andere Sachen. Bis er nicht mehr wollte. die Kette riss bei dem Stress mit dem schwächsten Kettenglied. dem Gehirn

Die Steuerung wollte nicht mehr und mit ihr ging fast alles den Bach runter.Hirnstammblutung bei 280 Blutdruck

Vorher dachte ich, ich könne fast alles, nachher konnte ich nichtmal alleine atmen.

Das Gehirn ist das einzige Organ, das wir haben, dass sich selbst regenerieren kann. Das ist ein Satz, den ich vorher gelesen und in der nächsten Sekunde im Archiv meiner Erinnerungen, Abteilung Schulwissen, also fast nicht mehr auffindbar abgespeichert hätte. Ohne nachzuprüfen ob er auf mich zutrifft, ob er auf Wahrheit beruht.

Einfach drauf auf den Haufen ungenutzte Information

Von einer Sekunde auf die andere wurde ich davon getrennt.

Ich lag also da, vergessen wie man sich bewegt, vergessen wie man atmet

Ich musste mir das alles selbst wieder erarbeiten.

Hat schon jemand selbst geatmet? Bei der Beantwortung dieser frage, müsste eigentlich bei jedem ein rotes Flammenzeichen leuchten “halt, nicht lügen” welcher Muskel muss wo wann wieweit bewegt werden?

Dass das selbst machen nach einer Hirnstammblutung ein langwieriger Prozess werden wird war mir zwar klar, aber nicht wie viele Schmerzen er bereiten wird. mir, der ich früher nicht zum Arzt bin, er könnte ja eine Spritze aufziehen; aber man kann ja nicht davonlaufen.

Man kann schon, nur diese Möglichkeit kommt für mich nicht in frage.

Also lernte ich wie mein Körper funktionierte. eigentlich Unterrichtsstoff der fünften Klasse, aber doch etwas anders weil realer. Vor allem die Schmerzen sind real, auf der anderen Seite aber nicht greifbar, weil Nervenschmerzen

ich fing also an zu laufen. Je weiter ich lief, war es jetzt einen Schritt schmerzhafter. jedes bisschen kraft, dass dazukam, war mit neuen Schmerzen erkauft.

das tückische an Nervenschmerzen, wie ich sie kenne ist, dass man denkt, man könne nicht noch mehr aushalten. doch dann geht das doch.

Ich weis also nicht was kommt (wer weis das schon?) aber eins weis ich jetzt. Es wäre alles vermeidbar gewesen. es hätte alles anders kommen können.

wenn ich meine Energien ein bisschen anders eingesetzt hätte.

wenn ich etwas besser zugehört hätte.

wenn ich andere ideale gehabt hätte.

wenn… - manchmal ertappe ich mich dabei wie ich immer noch darauf warte aufzuwachen.

Ein Gedanke zu “Ein Versuch darüber nachzudenken

  1. Hallo Steffen,
    ich schreibe Dir hier heute, weil ….,na ja stimmt natürlich, es wäre vielleicht vermeidbar gewesen Nikotin, Stress Alkohol,usw. aber auch nur vielleicht!
    Du kannst über die Straße gehen und es kann ein Unglück passieren.
    Genau wie bei mir, wenn ich nicht Motorrad gefahren wäre, wäre der Unfall überhaupt nicht passiert! Oder wenn genau wenn sich meine Frau nicht hätte scheiden lassen wollen, hätte ich mir kein Motorrad gekauft, weil es anderes gab was Vorrang gehabt hätte! “Was nutzt es über verschütte Milch zu klagen”?
    Wäre dann nicht vielleicht etwas anderes passiert, vielleicht sogar noch dramatischer für Dich oder mich?
    Wer kann schon richtig darüber orakeln?
    Ich muss gestehen ich bin erst durch deine Hinweise & persönlichen Kontakt zu Dir im Rahmen unserer Zentren auf deinen Block aufmerksam geworden.
    Ich möchte Dir schreiben dass auch Du nur ein Betroffener bist vor dem ich den Hut ziehe, du bist mit dem Internet und der Webseitenerstellung 1000 mal besser aus.
    Auch wenn wir vielleicht nicht den Drat 100% zueinander haben!

    Ich schätze Dich und bin froh das wir uns kennen!

    Denn jeder Betroffene der möchte kann aus unseren Erfahrung mehr oder weniger für sich und seine Zukunft lehren ziehen!

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