Gelähmt sein heißt nicht Gefühllos.
Ich habe eine Tetraparese. Das heißt eigentlich, dass der gesamte Körper gelähmt ist. Bei anderen ist die hälfte des Körpers gelähmt (Hemiparese), oder einzelne Gliedmaßen.
Wenn ich Gefühle beschreibe kann ich also nur von mir ausgehen weil sich das Erleben der Krankheit bei jedem anders äußern wird.
Auf meiner rechten Seite ist das Gefühl etwas anders als auf meiner Linken. Eigentlich fehlt mir fast komplett nur die Oberflächensensibilität, die Verbindung der Nervenenden mit dem Gehirn ist bei mir im Bereich des Stammhirns durchtrennt.
Bei einem Schlaganfall ist ein Teil der Hirnzellen durch Störung der Sauerstoffzufuhr abgestorben. Das Ergebnis ist das gleiche, ein Teil des Körpers fühlt irgendwie nichts.
Das muss doch nicht endgültig sein, denn das Gehirn besitzt die Fähigkeit sich zu reorganisieren. Das ist doch ein anderes Kapitel.
Die Oberflächensensibilität ist also eingeschränkt, doch das Gehirn ist noch mit anderen Nerven der Extremitäten verbunden. Da sind zum Beispiel die Nervenenden, die an den Gelenken enden. Diese spürt man im Normalfall nicht so intensiv, weil das Oberflächengefühl viel stärker ist. Wenn es fehlt lernt man es doch als Ersatz zu benutzen um zum Beispiel die Stellung, oder Bewegung zu fühlen, selbst Druck auf die Oberfläche setzt sich bis zu anderen Nervenanbindungen fort.
Mit der zeit, was möglicherweise nach Jahren sein kann kommt das Oberflächengefühl bei regelmäßiger Therapie wieder zurück, was eben an der Fähigkeit des Gehirns liegt zu lernen.