3. Aktivtag

3.Aktivtag-plakat1

3. Aktivtag

Liebe Bewegungsfreudige,

der Verein VITAL e.V. lädt sehr herzlich zum 3. Aktivtag ein!

Am Samstag, den 23. Juni 2012, um 11 Uhr treffen sich alle Mitmachenden

am Restaurant „Talsperrenblick“ an der Talsperre Pöhl,

Pöhler Straße 49, 08543 Pöhl (OT Jocketa)

Diesmal steht der Tag unter dem Motto „Aktiv sein – rund ums Wasser“.

Egal ob mit oder ohne Handicap, im Rollstuhl oder ohne Gehbehinderung – jeder ist recht herzlich eingeladen!

Folgende Angebote haben wir vorbereitet:

 Herr Pröger vom Kneipp-Verein Vogtland e.V. wird über medizinische Bedeutung des Wassers und die Möglichkeiten der Kneipp-Anwendungen berichten. Natürlich soll das Kneippen mit Wasser auch vor Ort ausprobiert werden.

 Unser Vereinsmitglied Steffen Marquardt wird zusammen mit dem Extremsportler Frank Trtschka über das Thema „Krankheitsbewältigung und Motivation“ sprechen.

 Am Nachmittag besteht die Möglichkeit, einen Spaziergang entlang der Talsperre zu unternehmen. (Dauer ca. 30 Minuten – für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen geeignet)

 Ganz besonders freuen wir uns über die Unterstützung durch das Auto Centrum Carl Plauen, welches uns mit einem Fahrdienst und bei der Verpflegung behilflich ist. Zusammen mit weiteren Partnern werden auf dem Gelände behindertengerecht umgebaute Fahrzeuge präsentiert. Beratungen hierzu und auch Probefahrten sind möglich.

Positive Lebenseinstellungen

Positive Lebenseinstellungen von Seiten eines von einer schweren Krankheit betroffene sind wahrscheinlich nur möglich wenn Angehörige einem den Rücken frei halten und für die nötigen Hilfen sorgen und nicht bevormunden.
Und positive Lebenseinstellungen scheinen nötig zu sein um die Umstände seiner eigenen Krankheit zu überwinden.
Weiter scheint positives Denken wie ein ganzes Konzept der Einstellung der Sichtweise auf alles andere zu wirken.
Die Methode „Positives Denken“ zielt im Kern darauf ab, dass der Anwender durch konstante positive Beeinflussung seines bewussten Denkens in seinen Gedanken eine dauerhaft konstruktive und optimistische Grundhaltung erreicht und infolgedessen eine höhere Zufriedenheit und Lebensqualität erzielt.
Eine zu starke Anwendung positiven Denkens scheint sich aber auch in´s negative umzukehren. Eine zu starke Fokussierung auf Positives Denken kann dazu führen, dass negative Situationen, Gedanken und Gefühle nicht mehr bewusst verarbeitet, sondern verdrängt werden.
Also scheint auch das wieder eine Gratwanderung zu sein bei der das Gleichgewicht gewahrt bleiben muss um den Überblick und den Sinn für Reales nicht zu verlieren.

Der Krankheitsbewältigungsprozess

Aus gegebenem Anlass habe ich nochmal den gesamten Artikel veröffentlicht.

Krankheitsbewältigung aus psychologischer Sicht

von Magister Franz Wendtner, Klinischer und Gesundheits-Psychologe und Psychotherapeut, Landeskrankenhaus Salzburg, Österreich

Im Verlauf schwerer, langwieriger oder chronischer Erkrankungen und den damit einhergehenden Auswirkungen auf das körperliche, psychische und soziale Leben der Patienten und Angehörigen wird ein angemessener Umgang mit der Erkrankung und ihrenFolgen – die Krankheitsbewältigung – entscheidend für die Lebensqualität.

Was ist Krankheitsbewältigung?
Eine sehr treffende Definition versteht unter Krankheitsbewältigung – auch Krankheitsverarbeitung oder “Coping” (von englisch: to cope = fertig werden mit etwas) “das Bemühen, bereits bestehende oder erwartete Belastung durch die Krankheit innerpsychisch (emotional, kognitiv) oder durch zielgerichtetes Handeln aufzufangen, auszugleichen, zu meistern oder zu verarbeiten”.
Nun erfolgt die Bewältigung der Probleme und Veränderungen, welche eine Krankheit mit sich bringt, aber nicht auf einmal, sondern ist ein prozesshaftes Geschehen, das sich sowohl in zeitlich und inhaltlich unterscheidbare Verarbeitungsmodi, als auch unterschiedliche Stile differenzieren läßt.
Krisen-/Krankheitsbewältigung
Jede schwere Erkrankung stellt eine temporär krisenhaft erlebte Zeit im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen dar.
Ihre Bewältigung in eine regelhafte Abfolge zu gliedern, ist nicht möglich, da die einzelnen Phasen in der Regel nicht schrittweise aufeinander folgen, sondern einander überspringen, sich abwechseln, sich wiederholen können oder auch parallel zueinander laufen.
Daher ist das folgende Phasenmodell als eine Art “Roter Faden” durch den Verlauf einer Erkrankung zu verstehen, der ein Verständnis der Krankheitsverarbeitung erleichtern soll, nicht als Fahrplan.

1. Phase: Schock/Verleugnung
Die Konfrontation mit der Diagnose einer schweren Erkrankung, die womöglich mit körperlichen Funktionseinbußen und Schmerzen einher geht und einen sich verschlimmernden Verlauf erwarten lässt, führt häufig zu einem “Sturz aus der Wirklichkeit”, zu einem Schock, zu Unruhe und Angst.
Kognitive (intellektuelle) Fähigkeiten zeigen sich dann oft (vorübergehend) eingeschränkt. Häufig wird versucht, die Bedrohung durch die Diagnose mittels Verleugnung zu reduzieren
Dieses “Nicht-wahrhaben-wollen” hat eine Pufferwirkung, die es dem Patienten günstigenfalls ermöglicht, die Tatsache, wirklich krank zu sein, nach und nach annehmen zu können.
Es kann aber auch zu unrealistischen Verhaltensweisen kommen wie: Glauben an eine Fehldiagnose oder Verwechslung bis hin zur Verzögerung oder sogar Verweigerung der notwendigen Behandlung. In dieser Phase brauchen die Patienten vor allem menschliche Wärme, Verständnis und Verlässlichkeit in menschlichen Beziehungen.

2. Phase: Aggression
“Warum gerade ich?” Die Patienten sind wütend, gekränkt und enttäuscht über den Einbruch der Krankheit in ihr Leben, sie hadern mit Gott und der Welt. Oft wird diese Wut und Aggression nicht offen geäußert, sondern unbewusst auf die Bezugsperson (Familie, Pflegepersonen …) projiziert, was sich dann durchaus in Form von Vorwürfen und Kritik – sogar beleidigend – äußern kann. Die Patienten erscheinen häufig ungeduldig, gereizt, ungerecht und uneinsichtig.
Wichtig – vor allem für die Angehörigen – ist jetzt, dieses Verhalten nicht persönlich zu nehmen, denn die Aggression der Patienten gilt im Grunde der Krankheit, nicht ihnen.
Die Patienten brauchen jetzt trotz des ablehnenden Verhaltens Geduld und ein kontinuierlich aufrechterhaltenes Kommunikationsangebot.

3. Phase: Depression
“Was bin ich noch wert?” Durch die vielfach mit der Erkrankung verbundene zunehmende Funktionseinschränkung von Gliedmaßen, durch Schmerzen, Rollenverluste (z. B. als Familienversorger), durch Veränderungen des Körperbildes etc. kommt es zu einem Einbruch des Selbstwertgefühls bis hin zu einer existentiellen Verzweiflung der Patienten. Ihre Verletzlichkeit hat zugenommen.
Jetzt scheinen die Patienten ständig Hilfe zu fordern, sind aber nicht in der Lage, diese auch anzunehmen. Das frustriert – und somit besteht die Gefahr eines “gekränkten Rückzugs” seitens der Familie. Aber gerade jetzt brauchen die Patienten eine kontinuierlich aufrechterhaltene Beziehung, so dass sie spüren können, dass ihre Depressivität als Reaktion auf die Erkrankung verstanden und auch akzeptiert wird.

4. Phase: Verhandeln
In dieser Phase versuchen die Patienten durch das Erbringen von Opfern (Wallfahrten, Spenden, Hinwendung zu unbewiesenen Behandlungsmethoden und Aufbringen großer Geldsummen dafür etc.) einen “Handel mit dem Schicksal” zu schließen und dieses Schicksal dadurch hinauszuzögern, abzuwenden.

5. Phase: Akzeptanz
In dieser Phase der Krankheitsverarbeitung haben die Patienten ihre Erkrankung angenommen, neue Rollendefinitionen für sich gefunden und somit auch ihren Platz im Leben wiedergefunden.
Leider ist das Erreichen dieser Phase nicht selbstverständlich, sie wird nicht immer erlangt. Der zeitliche Verlauf der Bewältigung einer Erkrankung sowie die Wichtigkeit und Dauer der einzelnen Phasen sind eng an die Persönlichkeit des Patienten, seine Erfahrungen im Umgang mit Krisen, seine Erwartungen und an sein soziales Umfeld gebunden. Sie prägen entscheidend den Bewältigungsstil (also die Grundausrichtung der Krankheitsbewältigung) mit.

Bewältigungs-Stile
Die von verschiedenen Wissenschaftlern mit unterschiedlichen Schwerpunkten untersuchten Ausrichtungen der Krankheitsbewältigung lassen sich komprimiert in vier Bewältigungs-Stilen beschreiben:
1.    Verleugnender Bewältigungsstil
2.    Sinnsuchender Bewältigungsstil
3.    Aktiver, zupackender Bewältigungsstil
4.    Suche nach sozialer Einbindung, sozialer Unterstützung
I. Verleugnender Bewältigungsstil
Der zuerst angeführte Bewältigungsstil, der Verleugnung, Vermeidung und Ablenkung als führende Strategien nutzt, findet sich verbreitet auch schon im Vorfeld der Erkrankung. Er äußert sich in einem verleugnenden, abwehrenden Umgang mit Schmerzen, Unbehagen, Krankheitsanzeichen und Hinweisen.
Man geht nicht zum Arzt, denn “…das vergeht schon wieder. Man darf nicht auf jede Kleinigkeit achten! Ich habe keine Zeit für jedes Wehwehchen! usw.”
Diese an und für sich sehr positive Einstellung kann sich am Beginn einer Krankheit als problematisch herausstellen, da sie das Erkennen und wirksame Behandeln des Problems in seiner Frühphase verhindert. Dasselbe gilt beim Auftreten von Rückfällen.
Allerdings erleichtert ein angemessener Umgang mit solchen Verhaltensweisen im Verlauf der Erkrankung die auftretenden Belastungen durch die Grundhaltung “Ich lasse mich nicht unterkriegen!” und führt zu einer besseren psychischen Befindlichkeit und zur Hinwendung zu nicht krankheitsbezogenem Verhalten.
Alltag, Arbeit, Freizeit und Partnerschaft werden so “normal” wie möglich gelebt, krankheitsbezogene Belastungen so weit als möglich ausgeblendet. So wird das oft berichtete Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit von Anfang an reduziert und die Lebensqualität gesteigert.II. Sinnsuchender Bewältigungsstil
Dieser Bewältigungsstil zeichnet sich durch Grübeln und die Suche nach einem Sinn, einem Inhalt, der “Botschaft” der Erkrankung aus, sowie durch die Frage nach Schuld und Strafe.
Antworten auf diese Fragen und das Finden eines Sinnsund von Zusammenhängen sind überwiegend vom Glaubenssystem und den Überzeugungen der Betroffenen abhängig und daher notwendigerweise subjektiv. Sie sind oftmals die “Direttissima” (der schnellste Weg) in die Depression und Resignation. Das kann diesen Bewältigungsstil gefährlich machen.
Am zielführendsten kann es in diesem Kontext sein, die Erkrankung als eine Lebenskrise zu begreifen und den bisherigen Lebensstil und das bisherige Selbstverständnis zu hinterfragen, verbunden mit der Bereitschaft, gegebenenfalls seine bisherige Lebenssicht und Lebensweise zu ändern. Mögliche Fragen sind: “Habe ich mir selbst genug Raum gelassen? Habe ich nur gearbeitet und eigene Bedürfnisse unterdrückt? War ich nur für andere da und habe mich selbst vergessen? Habe ich alles zu genau genommen? Wie ist das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit?”
Im übrigen kann man aus der Religion, dem Glauben viel Kraft und Trost schöpfen!
III. Aktiver, zupackender Bewältigungsstil
Dieser Bewältigungsstil zeichnet sich dadurch aus, dass der Betroffene die Krankheit als bewältigbare Herausforderung ansieht und sich problemorientiert und informiert mit seiner Krankheit auseinandersetzt. Er gibt nicht auf, sondern sucht und findet Möglichkeiten, sein Leben selbst zu gestalten. Er achtet darauf, dass er die Krankheit und ihre Auswirkung auf sein Leben beherrscht und nicht umgekehrt.
Das bedeutet durchaus eine Änderung des bisherigen Lebensstils und Selbstverständnisses und eine Änderung im Umgang mit Anderen. Das heißt z. B. auch, sich mit dem Arzt als mündiger Patient zusammenzutun und mit ihm zusammen nach Lösungen zu suchen. Das bedeutet ebenfalls, sich auch mit anderen als ausschließlich schulmedizinischen Heilweisen und Wegen auseinanderzusetzen und eigenverantwortlich Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung, und die Lebensqualität zu nehmen. Die Ärzte konnten mir nich helfen. Also dacht’ ich, gehste mal zu nem anerkannten Scharlatan …; Copyright: Christian BOB Born, Freiburg
IV. Suche nach sozialer Einbindung und Unterstützung
Als vierter, überaus wichtiger und wirksamer Bewältigungsstil ist die Suche nach sozialer Einbindung und sozialer Unterstützung anzuführen.
Wir alle leben in sozialen Netzwerken d. h. wir stehen mit anderen Menschen in Kontakt und sozialem Austausch. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht “die Anderen”. Wesentliche Bedürfnisse wie: dazuzugehören, sich aussprechen zu können, Rat zu erhalten, gebraucht zu werden etc. lassen sich nur in der Begegnung mit dem Du, mit anderen Menschen, befriedigen.
Das macht soziale Kontakte gerade im Krankheitsfall besonders wichtig. Jetzt können Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen “soziale Unterstützung” geben, dem Patienten und seinen Angehörigen beistehen, ihnen unter die Arme greifen z. B. durch Zuhören, durch das Abnehmen von Wegen (Einkäufen, Erledigungen etc.) und Arbeit.
Diese “soziale Unterstützung” ist aber nicht unbedingt so ohne weiteres zu erhalten. Wenn man sich zu “hilflos” präsentiert (“Es ist so schlimm, ich schaffe das wirklich nicht!”) oder umgekehrt zu “stark” (“Kein Problem! Ich komme schon allein zurecht”), wird man eher allein dastehen. Zeigt man dagegen, daß die Belastung durch die Erkrankung zwar sehr hoch ist, man aber die Verantwortung für die Bewältigung dieser Belastung in erster Linie selbst übernimmt, kann man soziale Unterstützung in der Regel nicht nur mobilisieren, sie wird sogar gerne gegeben.
Lebensqualität
Es liegt auf der Hand, dass Bewältigungsphasen und der Bewältigungsstil einen großen Einfluss auf den Alltag, die Partnerschaft, die Sexualität und damit auf die Lebensqualität insgesamt haben.
Weil dieser Einfluss ganz enorme Ausprägungen erreichen kann, ist es wichtig, miteinander zu reden – für Betroffene und Angehörige.
Man neigt als Patient dazu, sich in Zeiten, in denen die Erkrankung stärker spürbar wird (Wetter, Krankheitsschub), zusammenzunehmen, um den Partner, die Familie nicht stärker als unbedingt nötig zu belasten. Partner bemerken das in der Regel und bemühen sich häufig, mehr Rücksicht zu nehmen, ohne das ausdrücklich anzusprechen. Man schont sich gegenseitig. Eine scheinbar bewährte Strategie, aber auch eine Quelle gewaltiger Missverständnisse! Denn wenn man nicht miteinander redet, schluckt man das eine oder andere – bis der berühmte Tropfen das “Faß zum Überlaufen” bringt.
Wenn man Liebe, Angst, Kummer, Sorgen, Groll nicht mitteilen darf, weil man fürchtet, den Partner zu kränken, dann entladen sich diese Emotionen irgendwann explosiv und verletzen, wo es nicht sein müsste.
Abgesehen davon pendelt ein gesundes Gefühlsleben sowieso zwischen Höhen und Tiefen – die Ausprägungen sind unter Belastung oft nur stärker.
Wenn es nicht möglich ist, miteinander zu reden, kann es sinnvoll sein, einen Psychologen oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Oft lassen sich in wenigen Beratungsgesprächen Missverständnisse, ungeeignetes Kommunikationsverhalten und ähnliche Probleme klären oder zumindest Wege finden, damit umzugehen.
Es gibt verschiedene Methoden in der Psychotherapie, die helfen können, im Zuge einer Erkrankung deutlich gewordene zwischenmenschliche Probleme in den Griff zu bekommen. Entsprechende Beratung, welche Therapie im Einzelfall die richtige ist, erhält man z. B. bei den Krankenkassen.
Depressionen, Hilflosigkeit, Schmerzen etc. werden vielfach durch die Aktivierung eigener Fähigkeiten bewältigbar. Denn psychologische oder psychotherapeutische Arbeit ist in erster Linie “Hilfe zur Selbsthilfe”.
Vor allem bei Schmerzen haben sich Entspannung, Visualisierung (bildhafte Vorstellungen) und Imagination (Wahrnehmung unbeabsichtigter innerer Bilder) als hilfreiche eigene Ressourcen bewährt. Entspannung und Visualisierung sind relativ einfach zu erlernen, wirksam und selbständig durchführbar.
Imagination – der Umgang mit inneren Bildern – sollte jedoch in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten durchgeführt werden, da sie oft seelische Ursachen und Probleme aufdecken und konkretisieren und dies Laien oft überfordert.
Wie immer das Problem gelagert sein mag: es gilt, Körper, Geist und Seele optimal zu unterstützen, um ein möglichst zufriedenstellendes Leben führen zu können. Mit anderen Worten:
Alle Ressourcen aktivieren – für ein Plus an Lebensqualit

Krankheitsbewältigungsprozess bei Angehörigen

Ich habe von Angehörigen gehört, die mit ihrem Patienten da stehen und sehr Hoffnungslose Aussagen machen. Im Sinne: “es hätte doch sowieso keinen Sinn und ihnen hätte jemand gesagt es ginge sowieso nicht mehr aufwärts”.
Bei Angehörigen eines von Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel,- Hirn Trauma oder ähnlicher schwerer Hirnschädigungen, eigentlich aller schwerer und sehr langwieriger Krankheiten, scheint es so zu sein, dass die Angehörigen auch einen Krankheitsbewältigungsprozess durchmachen. Sie sind am Anfang auch keine fertigen Angehörigen, doch die Wechselwirkungen von negativ beantworteten grundlegenden Fragen können scheinbar den gesamten Prozess negativ ausgehen lassen.
Angenommen ein Arzt hat eine negative Meinung in Bezug auf die Zukunft ,verpackt in sogenannten Prognosen, besteht die Gefahr der betreuende Angehörige nimmt sie als objektive Wahrheit, teilt das dem Patienten mit und der Krankheitsverarbeitungsprozess und damit der gesamte zukünftige Verlauf der Krankheit verläuft mit negativem Ergebnis.

Nicht nur dass das Ergebnis einer Handlung eine Auswirkung ist, sie beeinflusst auch alle folgenden Handlungen.

Ist es nicht besser einem Patienten eine zwar wahrscheinlich unerreichbare aber positive “Hoffnung” zu geben?

Ich hab kurz nachdem ich aus dem künstlichen Tiefschlaf geweckt wurde gewusst, dass ich im Herbst in die Ranch muggen musste, das gab Hoffnung. Dass es dazu erst sieben Jahre später oder gar nicht kommen sollte ahnte ich erst später. Die heimliche Hoffnung hatte ich aber.

Jetzt wo das Ziel erreicht ist, ein neues Ziel in Form bestens einer Aufgabe muss her.

Dass das Ziel aber erreicht wurde ist Selbstbestätigung, die letzten Jahre betrachtet ist aber eher der Weg das Ziel.

Der Patient und auch der Angehörige brauchen Visionen um ein Weiterkommen zu bewirken.

Insgesamt scheinen Aufgaben in mehrerlei Hinsicht positiv zu wirken. Als erstes geben sie ein Ziel wie bei dem vorhergehenden Beispiel. Als z.B. Haushaltstätigkeit oder Handarbeit wirken sie aufwertend und ergotherapeutisch. Das lässt sich bestimmt noch weiter fortsetzen.

Insgesamt sollte eigentlich das gesamte Umfeld positiv eingestellt sein um die zukünftige Gesamtentwicklung nicht negativ zu beeinflussen.

 Krankheitsbewältigung aus psychologischer Sicht
von Magister Franz Wendtner, Klinischer und Gesundheits-Psychologe und Psychotherapeut, Landeskrankenhaus Salzburg, Österreich
Im Verlauf schwerer, langwieriger oder chronischer Erkrankungen und den damit einhergehenden Auswirkungen auf das körperliche, psychische und soziale Leben der Patienten und Angehörigen wird ein angemessener Umgang mit der Erkrankung und ihrenFolgen – die Krankheitsbewältigung – entscheidend für die Lebensqualität.
Was ist Krankheitsbewältigung?
Eine sehr treffende Definition versteht unter Krankheitsbewältigung – auch Krankheitsverarbeitung oder “Coping” (von englisch: to cope = fertig werden mit etwas) “das Bemühen, bereits bestehende oder erwartete Belastung durch die Krankheit innerpsychisch (emotional, kognitiv) oder durch zielgerichtetes Handeln aufzufangen, auszugleichen, zu meistern oder zu verarbeiten”.
Nun erfolgt die Bewältigung der Probleme und Veränderungen, welche eine Krankheit mit sich bringt, aber nicht auf einmal, sondern ist ein prozesshaftes Geschehen, das sich sowohl in zeitlich und inhaltlich unterscheidbare Verarbeitungsmodi, als auch unterschiedliche Stile differenzieren läßt.
Krisen-/Krankheitsbewältigung
Jede schwere Erkrankung stellt eine temporär krisenhaft erlebte Zeit im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen dar.
Ihre Bewältigung in eine regelhafte Abfolge zu gliedern, ist nicht möglich, da die einzelnen Phasen in der Regel nicht schrittweise aufeinander folgen, sondern einander überspringen, sich abwechseln, sich wiederholen können oder auch parallel zueinander laufen.
Daher ist das folgende Phasenmodell als eine Art “Roter Faden” durch den Verlauf einer Erkrankung zu verstehen, der ein Verständnis der Krankheitsverarbeitung erleichtern soll, nicht als Fahrplan.
1. Phase: Schock/Verleugnung
Die Konfrontation mit der Diagnose einer schweren Erkrankung, die womöglich mit körperlichen Funktionseinbußen und Schmerzen einher geht und einen sich verschlimmernden Verlauf erwarten lässt, führt häufig zu einem “Sturz aus der Wirklichkeit”, zu einem Schock, zu Unruhe und Angst.
Kognitive (intellektuelle) Fähigkeiten zeigen sich dann oft (vorübergehend) eingeschränkt. Häufig wird versucht, die Bedrohung durch die Diagnose mittels Verleugnung zu reduzieren
Dieses “Nicht-wahrhaben-wollen” hat eine Pufferwirkung, die es dem Patienten günstigenfalls ermöglicht, die Tatsache, wirklich krank zu sein, nach und nach annehmen zu können.
Es kann aber auch zu unrealistischen Verhaltensweisen kommen wie: Glauben an eine Fehldiagnose oder Verwechslung bis hin zur Verzögerung oder sogar Verweigerung der notwendigen Behandlung. In dieser Phase brauchen die Patienten vor allem menschliche Wärme, Verständnis und Verlässlichkeit in menschlichen Beziehungen.
2. Phase: Aggression
“Warum gerade ich?” Die Patienten sind wütend, gekränkt und enttäuscht über den Einbruch der Krankheit in ihr Leben, sie hadern mit Gott und der Welt. Oft wird diese Wut und Aggression nicht offen geäußert, sondern unbewusst auf die Bezugsperson (Familie, Pflegepersonen …) projiziert, was sich dann durchaus in Form von Vorwürfen und Kritik – sogar beleidigend – äußern kann. Die Patienten erscheinen häufig ungeduldig, gereizt, ungerecht und uneinsichtig.
Wichtig – vor allem für die Angehörigen – ist jetzt, dieses Verhalten nicht persönlich zu nehmen, denn die Aggression der Patienten gilt im Grunde der Krankheit, nicht ihnen.
Die Patienten brauchen jetzt trotz des ablehnenden Verhaltens Geduld und ein kontinuierlich aufrechterhaltenes Kommunikationsangebot.
3. Phase: Depression
“Was bin ich noch wert?” Durch die vielfach mit der Erkrankung verbundene zunehmende Funktionseinschränkung von Gliedmaßen, durch Schmerzen, Rollenverluste (z. B. als Familienversorger), durch Veränderungen des Körperbildes etc. kommt es zu einem Einbruch des Selbstwertgefühls bis hin zu einer existentiellen Verzweiflung der Patienten. Ihre Verletzlichkeit hat zugenommen.
Jetzt scheinen die Patienten ständig Hilfe zu fordern, sind aber nicht in der Lage, diese auch anzunehmen. Das frustriert – und somit besteht die Gefahr eines “gekränkten Rückzugs” seitens der Familie. Aber gerade jetzt brauchen die Patienten eine kontinuierlich aufrechterhaltene Beziehung, so dass sie spüren können, dass ihre Depressivität als Reaktion auf die Erkrankung verstanden und auch akzeptiert wird.
4. Phase: Verhandeln
In dieser Phase versuchen die Patienten durch das Erbringen von Opfern (Wallfahrten, Spenden, Hinwendung zu unbewiesenen Behandlungsmethoden und Aufbringen großer Geldsummen dafür etc.) einen “Handel mit dem Schicksal” zu schließen und dieses Schicksal dadurch hinauszuzögern, abzuwenden.
5. Phase: Akzeptanz
In dieser Phase der Krankheitsverarbeitung haben die Patienten ihre Erkrankung angenommen, neue Rollendefinitionen für sich gefunden und somit auch ihren Platz im Leben wiedergefunden.
Leider ist das Erreichen dieser Phase nicht selbstverständlich, sie wird nicht immer erlangt. Der zeitliche Verlauf der Bewältigung einer Erkrankung sowie die Wichtigkeit und Dauer der einzelnen Phasen sind eng an die Persönlichkeit des Patienten, seine Erfahrungen im Umgang mit Krisen, seine Erwartungen und an sein soziales Umfeld gebunden. Sie prägen entscheidend den Bewältigungsstil (also die Grundausrichtung der Krankheitsbewältigung) mit.
Bewältigungs-Stile
Die von verschiedenen Wissenschaftlern mit unterschiedlichen Schwerpunkten untersuchten Ausrichtungen der Krankheitsbewältigung lassen sich komprimiert in vier Bewältigungs-Stilen beschreiben:
1.    Verleugnender Bewältigungsstil
2.    Sinnsuchender Bewältigungsstil
3.    Aktiver, zupackender Bewältigungsstil
4.    Suche nach sozialer Einbindung, sozialer Unterstützung
I. Verleugnender Bewältigungsstil
Der zuerst angeführte Bewältigungsstil, der Verleugnung, Vermeidung und Ablenkung als führende Strategien nutzt, findet sich verbreitet auch schon im Vorfeld der Erkrankung. Er äußert sich in einem verleugnenden, abwehrenden Umgang mit Schmerzen, Unbehagen, Krankheitsanzeichen und Hinweisen.
Man geht nicht zum Arzt, denn “…das vergeht schon wieder. Man darf nicht auf jede Kleinigkeit achten! Ich habe keine Zeit für jedes Wehwehchen! usw.”
Diese an und für sich sehr positive Einstellung kann sich am Beginn einer Krankheit als problematisch herausstellen, da sie das Erkennen und wirksame Behandeln des Problems in seiner Frühphase verhindert. Dasselbe gilt beim Auftreten von Rückfällen.
Allerdings erleichtert ein angemessener Umgang mit solchen Verhaltensweisen im Verlauf der Erkrankung die auftretenden Belastungen durch die Grundhaltung “Ich lasse mich nicht unterkriegen!” und führt zu einer besseren psychischen Befindlichkeit und zur Hinwendung zu nicht krankheitsbezogenem Verhalten.
Alltag, Arbeit, Freizeit und Partnerschaft werden so “normal” wie möglich gelebt, krankheitsbezogene Belastungen so weit als möglich ausgeblendet. So wird das oft berichtete Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit von Anfang an reduziert und die Lebensqualität gesteigert.II. Sinnsuchender Bewältigungsstil
Dieser Bewältigungsstil zeichnet sich durch Grübeln und die Suche nach einem Sinn, einem Inhalt, der “Botschaft” der Erkrankung aus, sowie durch die Frage nach Schuld und Strafe.
Antworten auf diese Fragen und das Finden eines Sinnsund von Zusammenhängen sind überwiegend vom Glaubenssystem und den Überzeugungen der Betroffenen abhängig und daher notwendigerweise subjektiv. Sie sind oftmals die “Direttissima” (der schnellste Weg) in die Depression und Resignation. Das kann diesen Bewältigungsstil gefährlich machen.
Am zielführendsten kann es in diesem Kontext sein, die Erkrankung als eine Lebenskrise zu begreifen und den bisherigen Lebensstil und das bisherige Selbstverständnis zu hinterfragen, verbunden mit der Bereitschaft, gegebenenfalls seine bisherige Lebenssicht und Lebensweise zu ändern. Mögliche Fragen sind: “Habe ich mir selbst genug Raum gelassen? Habe ich nur gearbeitet und eigene Bedürfnisse unterdrückt? War ich nur für andere da und habe mich selbst vergessen? Habe ich alles zu genau genommen? Wie ist das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit?”
Im übrigen kann man aus der Religion, dem Glauben viel Kraft und Trost schöpfen!
III. Aktiver, zupackender Bewältigungsstil
Dieser Bewältigungsstil zeichnet sich dadurch aus, dass der Betroffene die Krankheit als bewältigbare Herausforderung ansieht und sich problemorientiert und informiert mit seiner Krankheit auseinandersetzt. Er gibt nicht auf, sondern sucht und findet Möglichkeiten, sein Leben selbst zu gestalten. Er achtet darauf, dass er die Krankheit und ihre Auswirkung auf sein Leben beherrscht und nicht umgekehrt.
Das bedeutet durchaus eine Änderung des bisherigen Lebensstils und Selbstverständnisses und eine Änderung im Umgang mit Anderen. Das heißt z. B. auch, sich mit dem Arzt als mündiger Patient zusammenzutun und mit ihm zusammen nach Lösungen zu suchen. Das bedeutet ebenfalls, sich auch mit anderen als ausschließlich schulmedizinischen Heilweisen und Wegen auseinanderzusetzen und eigenverantwortlich Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung, und die Lebensqualität zu nehmen.

Die Ärzte konnten mir nich helfen. Also dacht’ ich, gehste mal zu nem anerkannten Scharlatan …; Copyright: Christian BOB Born, Freiburg
IV. Suche nach sozialer Einbindung und Unterstützung
Als vierter, überaus wichtiger und wirksamer Bewältigungsstil ist die Suche nach sozialer Einbindung und sozialer Unterstützung anzuführen.
Wir alle leben in sozialen Netzwerken d. h. wir stehen mit anderen Menschen in Kontakt und sozialem Austausch. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht “die Anderen”. Wesentliche Bedürfnisse wie: dazuzugehören, sich aussprechen zu können, Rat zu erhalten, gebraucht zu werden etc. lassen sich nur in der Begegnung mit dem Du, mit anderen Menschen, befriedigen.
Das macht soziale Kontakte gerade im Krankheitsfall besonders wichtig. Jetzt können Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen “soziale Unterstützung” geben, dem Patienten und seinen Angehörigen beistehen, ihnen unter die Arme greifen z. B. durch Zuhören, durch das Abnehmen von Wegen (Einkäufen, Erledigungen etc.) und Arbeit.
Diese “soziale Unterstützung” ist aber nicht unbedingt so ohne weiteres zu erhalten. Wenn man sich zu “hilflos” präsentiert (“Es ist so schlimm, ich schaffe das wirklich nicht!”) oder umgekehrt zu “stark” (“Kein Problem! Ich komme schon allein zurecht”), wird man eher allein dastehen. Zeigt man dagegen, daß die Belastung durch die Erkrankung zwar sehr hoch ist, man aber die Verantwortung für die Bewältigung dieser Belastung in erster Linie selbst übernimmt, kann man soziale Unterstützung in der Regel nicht nur mobilisieren, sie wird sogar gerne gegeben.
Lebensqualität
Es liegt auf der Hand, dass Bewältigungsphasen und der Bewältigungsstil einen großen Einfluss auf den Alltag, die Partnerschaft, die Sexualität und damit auf die Lebensqualität insgesamt haben.
Weil dieser Einfluss ganz enorme Ausprägungen erreichen kann, ist es wichtig, miteinander zu reden – für Betroffene und Angehörige.
Man neigt als Patient dazu, sich in Zeiten, in denen die Erkrankung stärker spürbar wird (Wetter, Krankheitsschub), zusammenzunehmen, um den Partner, die Familie nicht stärker als unbedingt nötig zu belasten. Partner bemerken das in der Regel und bemühen sich häufig, mehr Rücksicht zu nehmen, ohne das ausdrücklich anzusprechen. Man schont sich gegenseitig. Eine scheinbar bewährte Strategie, aber auch eine Quelle gewaltiger Missverständnisse! Denn wenn man nicht miteinander redet, schluckt man das eine oder andere – bis der berühmte Tropfen das “Faß zum Überlaufen” bringt.
Wenn man Liebe, Angst, Kummer, Sorgen, Groll nicht mitteilen darf, weil man fürchtet, den Partner zu kränken, dann entladen sich diese Emotionen irgendwann explosiv und verletzen, wo es nicht sein müsste.
Abgesehen davon pendelt ein gesundes Gefühlsleben sowieso zwischen Höhen und Tiefen – die Ausprägungen sind unter Belastung oft nur stärker.
Wenn es nicht möglich ist, miteinander zu reden, kann es sinnvoll sein, einen Psychologen oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Oft lassen sich in wenigen Beratungsgesprächen Missverständnisse, ungeeignetes Kommunikationsverhalten und ähnliche Probleme klären oder zumindest Wege finden, damit umzugehen.
Es gibt verschiedene Methoden in der Psychotherapie, die helfen können, im Zuge einer Erkrankung deutlich gewordene zwischenmenschliche Probleme in den Griff zu bekommen. Entsprechende Beratung, welche Therapie im Einzelfall die richtige ist, erhält man z. B. bei den Krankenkassen.
Depressionen, Hilflosigkeit, Schmerzen etc. werden vielfach durch die Aktivierung eigener Fähigkeiten bewältigbar. Denn psychologische oder psychotherapeutische Arbeit ist in erster Linie “Hilfe zur Selbsthilfe”.
Vor allem bei Schmerzen haben sich Entspannung, Visualisierung (bildhafte Vorstellungen) und Imagination (Wahrnehmung unbeabsichtigter innerer Bilder) als hilfreiche eigene Ressourcen bewährt. Entspannung und Visualisierung sind relativ einfach zu erlernen, wirksam und selbständig durchführbar.
Imagination – der Umgang mit inneren Bildern – sollte jedoch in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten durchgeführt werden, da sie oft seelische Ursachen und Probleme aufdecken und konkretisieren und dies Laien oft überfordert.
Wie immer das Problem gelagert sein mag: es gilt, Körper, Geist und Seele optimal zu unterstützen, um ein möglichst zufriedenstellendes Leben führen zu können. Mit anderen Worten:
Alle Ressourcen aktivieren – für ein Plus an Lebensqualität

2. Aktivtag des Vereins Vital Plauen im Kiez Waldpark Grünheide

Glück im Unglück hatten wir mit dem 2. Aktivtag des Vereins Vital Plauen im Kiez Waldpark Grünheide. Der Wetterbericht sagte bis zu Schneeregen alles voraus, also hatten wir auch eine Schlechtwettervariante eingeplant, die wir dann zum Glück nicht brauchten.Bei etwas kaltem aber trockenem Wetter liefen wir mit ca. 40 Personen die etwa anderthalb Stunden durch den Wald, auf einer auch für Rollstuhlfahrer sehr gut ausgebauten Strecke, die von der querschnittsgelähmten Fraktion in reiner Handarbeit absolviert wurde, alle anderen liefen oder wurden geschoben.

Wir hatten den 2. Akivtag des Vereins Vital nicht umsonst zum Eröffnungstag für das Projekt zum Auffinden und dokumentieren vogtländischer behidertenfreundlicher Wanderstrecken zusammen mit dem vogtländischen Knollenring gewählt.

Mit dabei waren also nicht nur der Herr Wenzel von vogtländischen Knollenring sondern auch die Behindertenbeauftragte vom Vogtlandkreis mit Mann und Hund sowie der Vorsitzende des VdK in der Region Chemnitz.

Seitlich fiel die Strecke an keiner Stelle wesentlich ab, wesentliche Unebenheiten waren aufgeschüttet.

Auch die Räumlichkeiten waren Barrierefrei.

Der Hausherr vom Waldpark ließ es sich nicht nehmen die Strecke mit zu laufen. Ich wäre dafür wenn wir dort mehr machen würden, denn auch die Preise und Angebote sind recht Einladend.

Präsentation 2.Teil

Steffen Marquardt

Ich hatte letztens einen Zeitungsartikel gelesen darin hieß es: „die Behinderten sollen sich in die Gesellschaft einbringen„. Für mich würde das aber nichts wesentlich anderes als anpassen bedeuten.
Doch inklusiv bedeutet eigentlich,“ Die einzelne Person ist nicht mehr gezwungen, nicht erreichbare Normen zu erfüllen, vielmehr ist es die Gesellschaft, die Strukturen schafft, in denen sich Personen mit Besonderheiten einbringen und auf die ihnen eigene Art wertvolle Leistungen erbringen können.“, also die Gesellschaft erbringt die Vorleistungen, dass Behinderte sich in sie einbringen können.
Das schließt ein, dass Inklusion auch ein pädagogisches Konzept ist weil sich ja in den Köpfen einiges ändern muss, also muss sich dieses Gedankengut erst mal n den Köpfen verankern.
Bei Pädagogik denkt man ja in erster Linie an Kinder, vergisst aber dass wir ein Leben lang lernen.
Wissensaneignung findet in erster Linie über die Erfahrungsstrecke statt, also wenn man direkt eingebunden ist und etwas mitmacht behält man es auch am leichtesten. Das betrifft Menschen jedes Lebensalters,  schließt aber eine inklusive Schule mit ein.
Wenn Schulbildung schon gemeinsam stattfindet ist es normal.
Dazu wurde die :“ Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD).
von der UNO Verabschiedet 13. Dezember 2006, in Kraft getreten 3. Mai 2008

Seit 2009 ist die „UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen“ in Deutschland geltendes Recht“.
Damit hab ich eine rechtliche Grundlage als Behinderter, dass ich mich in die Gesellschaft einbringen kann und niemand darf mich auf Grund meiner Behinderungen behindern.
Da Inklusion auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen einbezieht habe ich die einfachste Zusammenfassung für die Begriffsdeutung, Inklusion in einem Schulbuch gefunden: „Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf“.

„drei Jahre Mobile Akademie“

Klappern gehört zum Handwerk und das hätte man schon ganz schön weit gehört wenn’s laut gemacht hätte was am Sonnabend im Tagungsraum des Helios Vogtlandklinikums in Plauen Stattfand.

Die Abschlussveranstaltung bzw. der Zwischenstand nach drei Jahren “mobile Akademie”.

Nach eine kurzen Eröffnung durch die Claudia Semmlinger die auch durchs Programm moderierte und der Begrüßung durch Dr. Erich Rieger ging es nach Plan los mit dem Vortrag von Thomas Barthold “Mein Einsatz als Tutor und Referent in der Mobilen Akademie”.

Wie einzelne ihr Leben meistern zeigt das Beispiel Klaus Vogt: Homestory: “Aus dem Alltag eines kreativen Einhänders”: Illustriert mit Bildern aus seinem Umfeld. Etwa dem Einhändigen Trikefahrrad und mit Bildern aus dem Hauseigenen Rationalisierungsmittelbau.

Der ehemalige Pressefotograf sprach und zeigte Beispiele von digitaler Fotografie als Kommunikationshilfe “Lass Bilder sprechen “

Rundherum waren Stationen mit Projekten von Betroffenen aufgebaut, die “Blumenkübelei” von Ruth und Gerhard Schulze, Klöppelei und Handarbeiten trotz Halbseitenlähmung von Ruth Unger + Ilona Kusche, “Der rollende Bauchladen – Gruß- und Visitenkartengestaltung vom Rollstuhl aus” von Margit Liebeskind, “Memory und Co mit eigenen Fotos spielen – das Spielesystem für behinderte Menschen macht’s möglich” von Michael Gottselig, Reiselust trotz Handicap – eine Japanerin erzählt aus ihrem Land von Yoko.

Nach der Mittagspause und der vorherigen Bewegungsmittmachanregung Raus aus dem Lehnstuhl – Spaß und Bewegung für alle mit Thomas Diezel war dann ich dran: “Inklusion – aus der Sicht eines schwerst mehrfachbehinderten Menschen”, Steffen Marquardt.

Dann gab es noch einen Ausblick auf die Frage: “Wie geht es weiter mit der mobilen Akademie und die Gäste kamen zu Wort.” Und dass so erfolgreiche Projekte nicht einfach im Sand verlaufen versteht sich eigentlich von selbst.

Und dann gab es noch den Abschluss des Mikroprojekt (Versuchs) “Wir machen was draus”.

Wie war das bei mir mit der Inklusion? Es geht darum erstens gemeinsam was zu tun, zweitens Anderen das vielleicht beizubringen und nebenher ganz unbemerkt die Gesellschaft zu verändern.

Geistig verwirrt

Angehörige sind schnell dabei einen Schlaganfallpatienten als geistig verwirrt hinzustellen weil sein Verhalten nicht rationell erscheint.

Ich sage es ist entscheidend worauf man diese Aussage bezieht.

Ich selbst hätte an meinem geistigen Zustand zweifeln können, mir kommt da wieder die Sache mit den Autos in den Sinn.

Als ich am Aufwachen aus dem künstlichen Koma war wusste ich zwar was passiert war, doch nicht wie lange ich geschlafen hatte. Mir war irgendwie klar, dass es Jahrhunderte gewesen sein müssen denn ich sah Autos die fliegen konnten.

Ich konnte mich nicht bewegen, sah von meiner liegenden Position unten im Untergeschoss der Klinik die Räder der Autos nicht und machte mir scince fiction belesen wie ich war das was ich sah mit meinem “Erfahrungsstatus” in Einklang.

Doch so einfach, dass die Ausgangsinformationen andere sind ist es nicht immer.

Es gibt zB. Die Möglichkeit dass Gefühle nicht kanalisiert werden können und relativ unkontrolliert zutage treten, dass Ähnliches durch Medikamentennebenwirkungen wie zB. Halluziationen hervorgerufen wird oder auch dadurch dass sich der Patient auf Grund einer Aphasie nicht äußern kann.

Ich selbst kann mich nicht mehr an das Gefühl erinnern etwas sagen zu wollen und es nicht zu können.

Bei mir hatte es mir offensichtliche Ursachen. Ich hatte begriffen dass ich eine Kanüle zum Atmen im Hals hatte und darum nicht sprechen zu können.

Das ist ein extrem und relativ einfach zu begreifen denk ich und außerdem ist man irgendwie der irrationalen Gewissheit, “wenn ich das Ding los bin ist alles wieder gut”.

Wie ist es aber mit einem leicht betroffenen, der laufen kann, die Worte sind gedacht, doch können einfach nicht gesprochen werden. Ich könnte mir vorstellen der zweifelt selbst erst mal an seinem Geist und rebelliert innerlich, was unter Umständen irrationale Handlungen nach sich zieht.

Das Umfeld denkt sich dann ein Übriges.

In jedem dieser Fälle geht real Gebrachtes nicht im Einklang mit Erwartetem. Die Folge davon war eine geistig nicht rationale Handlung (für den Außenstehenden), der denkt sich “geistig verwirrt”.

Zweckoptimismus

Jetzt muss ich mir aber was von der Seele schreiben.
Immerhin ist es schlecht möglich sich auf der einen Seite hinzustellen und versuchen der Gesellschaft beizubringen was Inklusion auch in Bezug von Hirngeschädigten Behinderten wie ich es bin heißt und auf der anderen Seite nichts gegen solche Formulierungen wie “aus dem Leben gerissen” zu sagen.
Noch dazu wo das von Angehörigen ausgeht und nicht von einem Betroffenen selber.
Worte sagen immer das aus was sie laut Nachschlagewerken bedeuten und weniger wie sie gemeint sind. Und wenn ich aus dem Leben gerissen höre bedeutet das Tot. Doch in diesem Zusammenhang stimmt das ganz und gar nicht.
Es mag zwar manchmal scheinen dass jetzt alles zu Ende ist doch so ist es nicht. Auch wenn in dem Augenblick eines Schlaganfalls zum Beispiel vieles endet fängt auch vieles neu an.
Neuanfänge sind auch nicht in nur in diesem Augenblick möglich sondern zu jeder Zeit. Vielen scheint das erst Mal unmöglich, doch dass es möglich ist zwar nicht unbedingt die gleichen Vorhaben zu realisieren aber andere, auch lohnende. Wenn man nun nicht mehr in der Lage ist einen Haushalt zu führen muss eine Lösung dieses Problems gefunden werden. Meist ist dann der Partner gefragt und die Mitwirkung beschränkt sich erst mal aus Organisation doch es geht weiter, für alle Seiten und irgendwann wird ein Zustand zur Normalität.
Es gibt Leute die sagen dazu “Zweckoptimismus”, diesen Begriff finde ich nicht mal so schlecht und negativ besetzt, denn Optimismus muss einen Zweck haben, Pessimismus hat ja auch einen.
Manchmal den, dass man immer angenehm überrascht ist.