Bundeskanleramt am 18.4.12

Als ich das erste Mal den Typ mit den riesengroßen Engelsflügeln in der Straßenbahn sah, (in der Werbung) hab ich nicht geahnt dass mich das Projekt mal ins Bundeskanzleramt bringen würde, (natürlich als Gast).
Es ist schon ein besonderes Gefühl die Dankesrede für den Verein als Preisträger sprechen zu dürfen und die Kanzlerin hört zu.
Die gesamte Sache ist aber anderseits interessant weil man sich immer fragt: „Woher kommt dieses ganze Geld?“ Es ist ja nicht nur Geld auch Sachleistungen und die Zeit von Coatches, Sponsoren und Förderern.

alle logos

Ich hab mich gefragt wie beschreibt man so ein Gefühl wenn man dort ist wo man ohne Einladung nicht hinkommt.
Ich denk einesteils unbeschreiblich denn das ist mit ebensolchen Emotionen verbunden und andererseits ganz normal. Ich hab Worte benutzt, die ich auch sonst benutze.
Ich hab von Inklusion, von unserer Arbeit und von Hintern heben gesprochen.
Eigentlich war das Ganze auch Vorschuss, denn wenn das Projekt auch ausläuft, läuft es doch weiter. Der nächste Aktivtag ist schon in Vorbereitung, diesmal an der Talsperre Pöhl, denn wir arbeiten als Verein ja im ganzen Vogtland.

Dr. Erich Rieger am Kutschieren - mit Siegessäule    Das Bundeskanzleramt vom Auto aus

Alle unter den 25

startsocial-Bundespreisverleihung-2012

Die sieben startsocial-Bundessiegerprojekte mit der startsocial-Schirmherrin, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.
Foto: thomas-effinger.com

Schon am Tag vorher wurde ein Teil des MDR-Berichts aufgezeichnet, was mit der Einweihung des aus vielen Spenden über die „Freie Presse Aktion“ finanzierten Lifts am Vereinsauto zusammen fiel.
Ich wurde also mit dem Lift ins Auto gehoben und dann auch durch den Stadtwald geschoben.
Da fiel es mir wieder auf wie unabhängig ich eigentlich in den letzten Jahren geworden bin, obwohl ich bei vielen um nicht zusagen den meisten Tätigkeiten Hilfe brauche. Doch mittlerweile kann ich mit Hilfe in ein Auto einsteigen ohne den Lift zu benutzen und auch mit dem Elektrorollstuhl, also eigenem Antrieb mitfahren.
Und das habe ich auch der Menschen um mich rum zu verdanken, dazu gehören meine Eltern wie auch Therapeuten, der Verein und alle mit denen ich zu tun hab.
Es war also für mich schwer sich in die Rolle des passiv regierenden Betroffenen, der ich vor einigen Jahren selbst einmal war hineinzuversetzen. Wie schwer muss es dann einem gesunden Menschen fallen.
Ich bin hoffentlich in der Position dass man mir zuhört und rufe alle die Behinderungen haben, deren Angehörige und alle die Helfen und mitmachen wollen setzt euch mit dem Verein Vital in Verbindung und kommt am 23. Juni zum 3. Aktivtag des Vereins Vital an die Talsperre Pöhl.

Sonja und der MDR-Dreh

Sonja und der MDR-Dreh

vom Caddy

Überbelastet

Steffen Marquardt

 

Da hab ich wohl wieder was gemacht was man tunlichst vermeiden sollte. Spastische Muskulatur überbelastet.
Gestern hab ich wohl zu viel gestanden und den spastisch angeschlagenen rechten Psoasmuskel dabei überbelastet.
Da hilft jetzt wohl nur Schonung, Bewegung und Wärme.
Wie merkt man sowas? Zum ersten Mal ist die Ruhespannung (Tonus) der gesamten rechten Seite höher als gewohnt, was bei mir wiederum mit neuropatischen Schmerzen in den Fingern und Fußzehen verbunden ist.
Das ist ein ständiger Nervenschmerz, den man nur über den Tag durch die Ablenkung des normalen Tuns nicht so zu merken ist, doch bei Ruhe voll zuschlägt. Dagegen nehme ich auch Medikamente.
Ich schreib aber bewusst nicht welche, weil man sich bei deren Verordnung sowieso auf den behandelnden Neurologen verlassen sollte, der sollte wissen was und wie viel für einen gut ist.
Ich geh bei der Wassertherapie heute wieder ins warme Wasser des Bewegungsbeckens im „Admedia“ und fahr Fahrrad an meinem „Motomed“, passiv also ohne Belastung und in einigen Tagen wird das Gefühl wieder meiner Gewohnheit entsprechen.

Geistig verwirrt

Angehörige sind schnell dabei einen Schlaganfallpatienten als geistig verwirrt hinzustellen weil sein Verhalten nicht rationell erscheint.

Ich sage es ist entscheidend worauf man diese Aussage bezieht.

Ich selbst hätte an meinem geistigen Zustand zweifeln können, mir kommt da wieder die Sache mit den Autos in den Sinn.

Als ich am Aufwachen aus dem künstlichen Koma war wusste ich zwar was passiert war, doch nicht wie lange ich geschlafen hatte. Mir war irgendwie klar, dass es Jahrhunderte gewesen sein müssen denn ich sah Autos die fliegen konnten.

Ich konnte mich nicht bewegen, sah von meiner liegenden Position unten im Untergeschoss der Klinik die Räder der Autos nicht und machte mir scince fiction belesen wie ich war das was ich sah mit meinem “Erfahrungsstatus” in Einklang.

Doch so einfach, dass die Ausgangsinformationen andere sind ist es nicht immer.

Es gibt zB. Die Möglichkeit dass Gefühle nicht kanalisiert werden können und relativ unkontrolliert zutage treten, dass Ähnliches durch Medikamentennebenwirkungen wie zB. Halluziationen hervorgerufen wird oder auch dadurch dass sich der Patient auf Grund einer Aphasie nicht äußern kann.

Ich selbst kann mich nicht mehr an das Gefühl erinnern etwas sagen zu wollen und es nicht zu können.

Bei mir hatte es mir offensichtliche Ursachen. Ich hatte begriffen dass ich eine Kanüle zum Atmen im Hals hatte und darum nicht sprechen zu können.

Das ist ein extrem und relativ einfach zu begreifen denk ich und außerdem ist man irgendwie der irrationalen Gewissheit, “wenn ich das Ding los bin ist alles wieder gut”.

Wie ist es aber mit einem leicht betroffenen, der laufen kann, die Worte sind gedacht, doch können einfach nicht gesprochen werden. Ich könnte mir vorstellen der zweifelt selbst erst mal an seinem Geist und rebelliert innerlich, was unter Umständen irrationale Handlungen nach sich zieht.

Das Umfeld denkt sich dann ein Übriges.

In jedem dieser Fälle geht real Gebrachtes nicht im Einklang mit Erwartetem. Die Folge davon war eine geistig nicht rationale Handlung (für den Außenstehenden), der denkt sich “geistig verwirrt”.

7.8.11 Abensspazierfahrt, oder so

Ich war gestern Abend noch mal draußen, das ist eine Sache die von hier besser geht als von zuhause. Hier meldet man sich ab, steigt in den E-Rollstuhl, mit dem Fahrstuhl runter und über die Tiefgarage raus.
Das kann man fast alleine machen.
Zuhause muss erst jemand den Rollstuhl holen, mich rausschaffen, mit umsetzen und das Tor aufmachen.
Da überlegt man sich´s nochmal.
Überlegen hätte ich mir gestern Abend wo ich hin fahr.
Ich entschied mich für den „Weißen Stein“, der Weg war länger als ich angenommen hatte und als ich dann dort war kam ich nicht hinein
L. Mit Bierbänken hatten sie den Weg blockiert, so dass laufend ein Mensch zwar hindurch passte, ich mit dem Rollstuhl aber nicht.
Also musste ich wieder umkehren. Wenn ich jetzt gleich ins „Immergrün“ gefahren wäre, dann hätte ich das richtige gemacht. Da hätte es Livemusik gegeben und wenn ich Glück gehabt hätte ein paar Leute, die ich kenne. So aber fuhr ich nach Hause.
Als ich im Bett war las ich auf FB, dass mich Her Andreas K. aus P. in´s Immergrün eingeladen hatte.
Klar, wer lesen kann ist klar im Vorteil.
Als ich dann gegen 21 Uhr über den Markt fuhr beschlich mich wieder dieses eigenartige Gefühl wie wenn man das schon bald zehn Jahre nicht gesehen hat.
Es war auch das erste Mal wieder Abends, dass ich diese Szenerie sehe. Nicht mal mit der Selbsthilfegruppe bin ich so spät rausgekommen.
Die Szenerie sah ich wieder mit dem Abstand der Jahre, dabei fiel mir wieder auf wie sich die Innenstadt entwickelt hat, ein Kleinstadtidyll.
Ich muss immer wieder sagen, man sollte sehen was man hat, nicht das was man nicht hat.
Ich lese immer dass diese Stadt stirbt. Das würde ich so nicht bezeichnen.
Ich würde eher sagen sie schrumpft auf ein der Bevölkerungszahl und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechendes Maß.
Wandel dieser Art hat es schon immer gegeben.
Diese Stadt ist mit Textilindustrie gewachsen.
Mit der Unterordnung unter kapitalistische Maßstäbe treten auch die Gesetze des Wirtschaftssystems in Kraft.
Das bedeutet die Produktivität zu steigern mit allen Mitteln und ein Mittel ist die Produktion dort hin zu verlagern wo die Arbeitskraft am billigsten ist.
Noch dazu kommt, dass die Textilindustrie nicht mehr diese Wertigkeit hat.
Und ich denke so schrumpft diese Stadt auf ihr normales Maß.

pauen-am-abend.

2.8.11

Wenn ich mal die Sache mit
der Motivation auf ihre Wissenschaftlichkeit überprüfen will ist es erstaunlich
wie viel man rein intuitiv anwendet.

Ich hab dazu die Tabelle nach McClelland herangezogen.

Es gibt danach positive und negative Dinge die uns vorantreiben, also das
Streben zum einen und die Angst vor dem anderen. Und es sind wieder positive
und negative Handlungen die ausgelöst werden.

Das scheint vom vorherrschendem Charakter abhängig zu sein.

Da ist zum einen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die den Beitrag zu ihr
achtet, die Sicherheit, Geborgenheit, Zuwendung und Freundschaft ausstrahlt.
Aber auf der anderen Seite die Angst vor Unbeliebtheit, vor dem Gefühl alleine
gelassen zu werden.

Das ist etwas das wir anwenden mit der Einbeziehung in Selbsthilfegruppen,
Integration in die Gesellschaft allgemein, die Einbeziehung in die Durchführung
verschiedener Projekte.

Ein weiteres Motiv ist Macht auszuüben, die Durchführung von Gruppenhandlungen
zu kontrollieren, einen bestimmten Status zu erringen sowie im Wettbewerb zu
bestehen.

dem gegenüber stehen Ängste erreichtes wieder zu verlieren, unbedeutend zu sein
und missachtet zu werden.

Eine Sache die wir auch anwenden ist gebrachte Leistung auch anzuerkennen,
Kreativität und Fantasie zu würdigen. Auf der anderen Seite steht die Angst als
Versager dazustehen.

Für mich persönlich war es zum Anfang meiner Krankheitszeit die Vorstellung
wieder etwas als DJ machen zu können was aber mit der Zeit anderen
Motivationsgründen gewichen ist.

Es ist die Aussicht eine sinnvolle Aufgabe zu haben weshalb ich mich auch mit
solchen Dingen wie Motivation beschäftige.

Mir scheint bei der ganzen Sache ist es nötig ein bisschen so etwas wie Ehrgeiz
zu entwickeln.

Wenn jemand schon aufgegeben hat, dann lockt man ihn nicht damit schlecht
hinter dem Ofen vor es sei denn er lernt anders zu denken.

Und da ist Psychologie gefragt.

Der Ehrgeiz muss solang angestachelt werden, bis Eigenschaften zu Gewohnheiten
werden.

Oder sollte man einen Chemiker ranlassen.

McClelland ist es an der Harvard Medical School gelungen nachzuweisen, dass
die Anregung dieser Motive mit der Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter
verbunden ist:

  • Im Falle
    des Machtmotivs sind es Epinephrin und Norepinephrin,
  • im Falle
    des Zugehörigkeitsmotivs ist das Dopamin,
  • bei
    Anregung des Leistungsmotivs werden Vasopressin und Arginin ausgeschüttet.

Motivation mal chemisch???

30711 Ostvorstadt und Ranchers

doc-snyder-djat-workEin für gesunde Menschen nicht gerade anstrengendes, für mich
doch etwas anspruchsvolles (weil Kilometerauferndiges) Wochenende liegt hinter
mir.

Und ich weiß um so mehr welche Bürgersteige man meiden sollte. Als
Rollstuhlfahrer auf keinen fall über die Kunzehöhe fahren denn das kann böse
enden.

Ich war am Freitag nach 9 Jahren mal wieder in der Ostvorstadt bei DJ Ronne
seiner 25 Jahre Party (zumindestens zum Anfang).

Um 21 Uhr hab ich meinen Rollstuhl bei schönstem Abendrot nach Hause gelenkt.

Theoretisch hätte der Samstagmorgen also auch schönes Wetter sein müssen.

War aber ein typischer Fall von Denkste. Regen und Kalt.

Zumindest bis ca. 16 Uhr, da hörte zumindest das Wasser auf runterzufallen.

Ich hab mich also auf den Weg genacht
nach Neundorf zum 1.FC Ranch. Sommerfest (wenn man das so nennen möcht).

Am späten Nachmittag war ich dann da, einige Winterharte und Freunde des runden
Leders waren da, Band und DJ bauten ihr Equipment auf, wie ich übers Internet
sah war dann später ganz schön was los.

Für mich war´s aber ziemlich unschön und ich hatte auch noch über ne Stunde Heimweg
also fuhr ich heimwärts.

/ronne-ronald-mick

25-jahre-ronne

abendrot-uber-plauen

/1-zu-0-1fc-ranch

bei-den-winterharten

17.9.10 Bis zum Durchgangssyndrom

Es kam die Frage nach dem Fühlen in dem Moment wo man umfällt.
Es wird bei jedem anders sein. Ich bekam keine Luft, vorher hatte ich schon ein Rauschen in den Ohren und dann fühlte ich nichts mehr. Ich war noch einmal ganz kurz halb da, als ich das mit dem Blutdruck mitbekam, doch ich kann mich nicht erinnern, dass ich Schmerz verspürte.
Was sich dann in den nächsten Wochen in meinem Kopf abspielte sind wahrscheinlich Widerspiegelungen meiner Vorstellungen vermischt mit erlebtem.
Als ich erwachte sah ich ein paar große Kraftwerksmessinstrumente und ein paar Bretter pressten mir den Arm zusammen. Das waren Messinstrumente um mich herum aus meiner Perspektive und zur Nacht fertig gemacht ich hatte viele Jahre in Kraftwerken gearbeitet, die Bretter waren das Blutdruckmessgerät, dass damals alle paar Minuten anzog.
Es träumte mir oft von Überwintern, offenbar wurde da zur Nacht fertig gemacht.
Einige male lebte ich in Welten von Blechspielzeug, früher hatte ich viel davon gehabt, ein anderes Mal war ich mit meiner Tante Linda, bei der ich mangels eines Kindergartens aufgewachsen bin, im Räusaer Wald. Dort waren wir auch oft.
Viel hatten meine Träume mit Musik zu tun, mein halbes Leben drehte sich ja um Musik. Dabei kann ich mich aber nicht erinnern einen konkreten Ton gehört zu haben.
Es kann auch sein ein Teil dieser Erlebnisse sind Widerspiegelungen dessen was um mich herum vor ging. Das dauerte eigentlich so lange bis ich Realitäten erkannte und wieder selbstständig atmete. Das Durchgangssyndrom hatte ich damit überstanden. Das war ungefähr nach vier bis fünf Wochen.

1.9.10

Ich merke, dass das Fühlen besonders wichtig sein kann bei irgendwelcher physiologischer Therapie und besonders erst danach, wenn man besonders berücksichtigt, dass ich an einige Sachen wie die Füße nicht mit den Händen rankomme. Denn was macht man wenn man etwas gefühlsmäßig nachprüfen will? Man betatscht es mit den Fingern und schaut was da so über die Rezeptoren zurückkommt.
Wenn man das nicht kann man nur in den Fuß hineinhorchen ob da an Gefühl was ist.
Nun hat meine Physiotherapeutin mir gestern den rechten Fuß massiert und dabei die Nerven der Ferse und des Fußballens dermaßen sensibilisiert, dass man denken könnte man hat ein Oberflächengefühl.
Doch wenn man eins von beidem auf den Boden bringt ist, Blickkontakt ist da besonders wichtig, ist da nichts. Das Gefühl ist nur innenwendig. Besonders schwer ist diese Art des Fühlens zu beschreiben, allenfalls als stell-dir-vor-da-wäre-ein-Gefühl-Gefühl, man nimmt alle Informationen die an kriegen kann und bildet sich daraus etwas Neues.
Auf jeden Fall hat meine Physiotherapeutin sozusagen gestern den Nerv getroffen und ich lerne den Boden zu fühlen, denn ich stehe fast nur auf der Außenkante weil das die Spastik begünstigt, das aber teilweise willentlich überwindbar ist, wenn man den Boden  fühlt. Und so schließt sich der Kreis.

Wenn ich mich nicht irre haben wir wieder eine eins vornedran und bis auf weiteres  das letzte Mal Gelegenheit Sachen aus Meister Schwasrzens Schatzkästchen der logopädischen Grausamkeiten zu lesen welche sind:

Die klitze kleine kotzende Katze kotzt klitze kleine Katzenklötzchen,klitze kleine Katzenklötzchen kotzt die klitze kleine kotzende Katze…, daneben am Ammersee aßen achtzig Afrikaner alle Abend appetitliche Ananas.

Na prima!

26.8.10 Neglect, die halbe Wahrnehmung

Das Neglect ist eine Störung der Wahrnehmung einer gesamten Seite. Es erstreckt sich über alle fünf Sinne, hören, sehen, riechen, schmecken und den Tastsinn. Wird aber meistens zuerst über das Sehen definiert.
Wer ein Neglect hat, hat Schwierigkeiten eine Seite seiner Umgebung und auch seines eigenen Körpers wahrzunehmen, dabei empfindet er die Situation meistens als normal, ist sich seines Schadens nicht bewusst.
Dinge auf einer Seite werden unbewusst missachtet, der Patient stößt gegen Gegenstände, isst nur einen Teil des Tellers leer, oder schreibt nur einen Teil einer Seite voll. Wenn ihm auf der eingeschränkten jemand entgegenkommt reagiert er nicht, manche Neglectpatienten reagieren Nichtmahl, wenn ihnen auf der eingeschränkten Seite schmerz zugefügt wird auch wenn keine Lähmung vorliegt.
Ein Neglectpatient kann also normal sehen, hören und fühlen, jedoch ‚bemerkt‘ er Reize einfach nicht, welche auf der eingeschränkten Seite liegen. Die Patienten richten ihren Blick normalerweise nur auf die Seite aus, auf der die Läsion liegt (ipsiläsionäre Seite) und schauen selten von sich aus auf die beeinträchtigte Seite. Das bedeutet, dass die meisten Neglectpatienten andauernd nach rechts schauen. Wenn sie nach einem Objekt suchen, z. B. nach einem Kreis, der auf einem Blatt mit Quadraten abgebildet ist, suchen sie zuerst auf der ipsiläsionären Seite nach ihm und blicken nur selten, wenn überhaupt, auf die kontraläsionäre (gegenüberliegend der Schädigung) Seite. Die Patienten sind sich ihrer Einschränkung nicht bewusst. Die meisten Neglectpatienten antworten daher, wenn man sie nach ihrer Wahrnehmung fragt, dass sie ihr gesamtes Gesichtsfeld ohne Einschränkung wahrnehmen können.

Der Neglect verbessert sich meist spontan, und bei ca. 65 % der Patienten ist nach 15 Monaten kein Neglect mehr nachweisbar. Bei den verbliebenen 35 % bleiben weitere deutliche Einschränkungen bestehen. Eine früh einsetzende Therapie kann den Neglect nachweislich verbessern. Patienten mit einem linksseitigen Neglect erholen sich generell schneller als Patienten mit einem rechtsseitigen Neglect.

20.8.10 Bootsfahrt auf der Talsperre Pöhl

Gestern war zur Abwechslung mal wieder eine Veranstaltung der Selbsthilfegruppe “Aphasie durch Schlaganfall” an der Reihe.
Mit anderen Selbsthilfegruppen aus Sachsen trafen wir uns um eine Bootsfahrt auf dem Motorschiff, auf der Talsperre Pöhl zu unternehmen.
Das war auch die erste große Einsatzprobe für meinen E-Rollstuhl.

Diese Diashow benötigt JavaScript.