27.9.11 Koma

Ich wurde letztens gefragt ob man im künstlichen Koma was von
dem was um einen herum passiert mitbekommt.

Der Begriff Koma schon ist nicht ganz richtig. Es handelt sich vielmehr um den
künstlichen Tiefschlaf.

Man träumt auf jeden Fall und die Schlaftiefe scheint auch unterschiedlich hoch
zu sein, je nachdem wie das Sedierungsmittel, dass einen schlafen lässt wirkt.

Ich kann mich an zwei Begebenheiten erinnern die mich der Umgegend ziemlich
nahe gebracht haben.

Das eine mal träumte  ich viel im
Zusammenhang mit verschwundenem Goldschmuck.

Wie ich im Nach herein erfuhr war mein mir abgenommener Ehering und ein
Goldkettchen verschwunden. Das muss in meinem Hörbereich ein Thema gewesen
sein, dass ich das mitgekriegt habe.

Das zweite war mein Vater wie er sagt: „Nu nützt das heulen auch nichts mehr,
nun liegt er da.“

Es war am Ende bestimmt noch mehr was ich gehört habe, ich erinnere mich jetzt
sieben Jahre späte nicht mehr daran.

8.7.11 Akzeptieren

Als ich letztens den Vortrag im Helios- Klinikum hielt wurde eine These von mir nachgefragt. Warum soll es so sein, dass jemand mit einer schweren Hirnschädigung es leichter hat darüber hinweg zu kommen als jemand mit einer leichten Hirnschädigung?
Wenn jemand mit einer schweren Hirnschädigung aus dem Koma erwacht, muss er sich erst einmal orientieren. Da kommt er unweigerlich zu der Frage: Wie will ich weitermachen?
Entscheidet er sich aufzugeben und liegenzubleiben geht es abwärts, entscheidet er sich aber aufzustehen und irgendwie weitezumachen sieht es anders aus.
Im Unterbewusstsein hat er das was passiert ist Akzeptiert und ist im Wesentlichen darüber hinweg.
Das genaue Hinterfragen Warum und die bewusste Verarbeitung der Geschehnisse kommt später.
Bei jemand mit einer leichten Hirnschädigung scheint mir fraglich wie er das Geschehene wertet.
Jemand mit einem sonnigen Gemüt macht sich darüber gar keine Gedanken und geht einfach zur Tagesordnung über, der hat es selbstverständlich am leichtesten, es gibt aber auch Jene, die dann jedes Problem damit in Zusammenhang bringen, bei jeder frage die Antwort haben: ich kann doch deshalb nicht, ohne sich Gedanken zur Überwindung dieses Zustandes machen und vielleicht sogar ganz froh darüber sind für alles einen Vorwand zu haben.
Auch scheint es jene zu geben (ich habe einige jeden Schlages im Internet kennengelernt) die eine gedankliche Blockade haben, warum auch immer, und sich im Unterbewussten dagegen sperren die Tatsache zu akzeptieren obwohl einiges überwindlich ist.
Es gibt auch jene, die trotz Alledem weiter machen wollen wie vorher und aus diesen Grunde Einschränkungen nicht akzeptieren können, dass ihr beruflicher Werdegang so nicht mehr möglich ist zum Beispiel, wenn die nicht unter die letzte Kategorie fallen.
Ich jedenfalls hatte es relativ leicht aufzustehen und weiterzumachen. Die genaue Analyse das Warum und Weshalb kommt später.

3.8.10 Da lauert der Zwiespalt.

Auf der einen Seite les ich so einen Blogbeitrag: http://www.gruenler.com/?p=166

und muss ihm absolut recht geben, zum anderen kommt man in einer Situation wie meiner nicht weiter ohne es positiv zu sehen. Das wird sich so ein schwarz – gelber Gesundheitsminister auch gedacht haben als er vor die  Mikrofone trat und lächelnd verkündete: “Es ist uns gelungen eine Gesundheitsreform anzuschieben, die jedem etwas bringt.”

http://www.tagesschau.de/inland/gesundheitsreform206.html

Mal sehen ob ich das auch noch positiv sehen kann wenn der 1.1.2011 ran ist.
Auf jeden Fall ist eine positive Lebenseinstellung wichtig für einen Behinderten. Denn was ist eigentlich jeden Tag, bleib liegen und nicht nur der Körper degeneriert, Liegenbleiben bedeutet aufgeben. also aufstehen.

Ich frage mich sowieso: Ob Horst Seehofer, Andrea Fischer, Ulla Schmidt – oder jetzt Philipp Rösler: Sie alle waren als Gesundheitsminister angetreten, um das System zu reformieren und die Kosten in Grenzen zu halten. Geschafft haben sie es nicht. Rösler musste zuletzt eine Beitragserhöhung bekannt geben, ursprünglich wollte er das Gegenteil erreichen. Müssen wir erst das System abschaffen und neu aufbauen (doch ein Neustart geht nicht), oder funktioniert das System mit Parteien nicht mehr? Bleibt die Solidarität auf der Strecke? Wieso geht mir Engels zyklische Krise des Kapitalismus nicht aus dem kopf? und in wieweit trifft Prof. Elmar Altvaters radikale Kapitalismuskritik “das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen” zu?

Ich glaube nicht nur mir wachsen die Fragezeichen aus dem Kopf.

Wie ich gestern auf Facebook ankündigte war gestern ein entspannter, sinnfreier sat-1 Fernsehabend im Bett angesagt.
und genau so kam es dann auch, pünktlich 21:12 zum Tod der ersten Staffel von “der letzte Bulle” sind die Handlungsstränge auseinander gegangen, der kriminalistische Teil, nicht sehr anspruchsvoll war für den kleinen Horst Schimanski in uns allen aufgeklärt und der für das soapverwöhnte Muttertier relevante blieb offen, damit Mama was zu Hoffen und zu Quatschen hat.
Dann noch eine Portion Dany Lavinsky, die nach dem gleichen Vorbild gestrickt war und morgen will’s wieder keiner angeguckt haben doch alle diskutieren die Handlung.
Ach wieso Tod der Staffel? Wenn die letzte Einstellung abgedreht ist spricht der Regisseur:“gestorben“

6.6.10

Mir geht eine Frage nicht aus dem Kopf: Ist einer, den es weniger schlimm erwischt hat wirklich besser dran als ich?
Ich lag zwei Wochen im Koma, im ersten Jahr kam ich überhaupt nicht aus Kliniken heraus.
In dieser zeit musste ich mir zum Beispiel keine Gedanken machen ob ich eine rauche. Ich hatte einfach andere Sorgen. Auch das aufhören mit  dem rauchen war einfach. Ich brauchte dann gar nicht erst wieder anfangen, was mir auch nicht schwer fiel.

Das ist eigentlich nur eine Sache am Rande, auch die Ernährungsumstellung war so eine. Ich musste das Essen ja auch wieder neu lernen.

Eine viel kompliziertere Frage ist die der Einstellung zum erlebten. Die vielzitierte Akzeptanz, ab einem Moment von einem Istzustand auszugehen und darauf aufzubauen.
Wenn man “nur” akzeptieren muss und Fehler nicht wiederholen darf geht das um so besser je weiter die zeitliche Entfernung zu den Fehlern weg ist. Wenn die Erinnerung noch frisch ist und die Angst erlebtes wiederholen zu müssen dazu kommt, wie zum Beispiel einen neuen Schlaganfall erleiden zu müssen, ist es schon komplizierter.
Dann hilft nur zu hoffen und sich entsprechend zu verhalten.
Ich glaube um wirklich zu akzeptieren muss man schon einmal mit seinem Leben abgeschlossen haben. Denn nur dann kann man das “weitermachen dürfen” als eine neue Chance begreifen.