9.9.10

Wesensveränderungen nach Schädigung des Gehirns, nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung, oder Ähnlichem kann auf der einen Seite medizinische Gründe wie Reizbarkeit und emotionelle Instabilität verursachen, doch allein schon die Tatsache, dass da etwas passiert ist was den Lebensweg verändert lässt einige umdenken.
Eine weitere Möglichkeit  sind Gründe des “nicht Könnens”. Ich hatte zum Beispiel ein Jahr lang keine Möglichkeit zu rauchen, nicht einmal der Gedanke daran kam mir, ich hatte andere Probleme. Im laufe diese Zeit habe ich das Verhältnis zum rauchen überdacht, auch weil mir mit der zeit aufging, dass es einer der Gründe für meinen Bluthochdruck, für Aderverkalkung ist.
Ich habe über die Jahre Beschäftigung mit dem Schlaganfallforum mitbekommen, dass es oft eine Frage der philosophischen Einstellung zum eigenen Leben ist wie man so eine Sache verarbeitet.
Für mich liegen die Gründe in einem selber. Weder ist es eine göttliche Prüfung noch gibt es so etwas wie Schicksal und Vorbestimmung. Man selber bestimmt Ort, Zeit und das eigene Verhältnis zu Anderen und Anderem.
Also muss man nicht bockig  werden, seinen Unwillen auf andere abladen, sondern nur anhalten, überdenken wo man steht und wie die Verhältnisse zu allem sind und dann in eine andere Richtung gehen.
Mir selber konnte das ziemlich einfach fallen, denn ich mute fast alles neu lernen, zu atmen, zu essen, wie man sich bewegt, u.s.w.
wenn man weniger schwer geschädigt ist wird einem das schwerer fallen, am Ende ist es aber das Gleiche.

Ich will niemandem sagen: “so musst du etwas machen nur Möglichkeiten aufzeigen und Denkanstösse geben.”

1.8.10

Zum Thema : Rentengarantie:
Mal abgesehen, dass es mich persönlich betrifft, stört mich an der ganzen Diskusion, dass es wieder die betrifft die sowieso schon wenig haben.
Wirtschaftsminister Brüderle hat ja in der Hinsicht gut lachen. Er ist ja bestimmt nicht darauf angewiesen.
Auf der anderen Seite hat man ein Thema wo man als Politiker streiten kann aber nichts tut.
Nebenher wird die “Gesundheitsreform” durchgemogelt.

Wir haben wieder mal einen Monat geschaft und da ist es wieder mal so weit, dass der unvergleichliche Herr Oberstimmquäler sein Schatzkästchen der mittelhochquergestreiften Mundart aufmacht, einen Moment andächtig innehält und mit belegter Stimme ins Mikrofon blökt:

Frau von Hagen, darf ich’s wagen sie zu fragen wie viel Kragen sie getragen als sie lagen krank am Magen,
in der Stadt Kopenhagen?

Übrigens jähren sich zum heutigen Tade drei denkwürdige Daten,

Der US-Senat verabschiedete 1917 ein Gesetz, das Herstellung, Vertrieb und Transport aller rauschverursachenden Getränke untersagte. Das will die bayrische Landesregierung jetzt mit den Rauchern nachmachen.

Am 1. August 1981 ging MTV auf sendung. Damals sah ich das positiv.

Und 1976 haben sie am 1.8.Nicki Lauda die Ohren wieder angeflickt.

6.6.10

Mir geht eine Frage nicht aus dem Kopf: Ist einer, den es weniger schlimm erwischt hat wirklich besser dran als ich?
Ich lag zwei Wochen im Koma, im ersten Jahr kam ich überhaupt nicht aus Kliniken heraus.
In dieser zeit musste ich mir zum Beispiel keine Gedanken machen ob ich eine rauche. Ich hatte einfach andere Sorgen. Auch das aufhören mit  dem rauchen war einfach. Ich brauchte dann gar nicht erst wieder anfangen, was mir auch nicht schwer fiel.

Das ist eigentlich nur eine Sache am Rande, auch die Ernährungsumstellung war so eine. Ich musste das Essen ja auch wieder neu lernen.

Eine viel kompliziertere Frage ist die der Einstellung zum erlebten. Die vielzitierte Akzeptanz, ab einem Moment von einem Istzustand auszugehen und darauf aufzubauen.
Wenn man “nur” akzeptieren muss und Fehler nicht wiederholen darf geht das um so besser je weiter die zeitliche Entfernung zu den Fehlern weg ist. Wenn die Erinnerung noch frisch ist und die Angst erlebtes wiederholen zu müssen dazu kommt, wie zum Beispiel einen neuen Schlaganfall erleiden zu müssen, ist es schon komplizierter.
Dann hilft nur zu hoffen und sich entsprechend zu verhalten.
Ich glaube um wirklich zu akzeptieren muss man schon einmal mit seinem Leben abgeschlossen haben. Denn nur dann kann man das “weitermachen dürfen” als eine neue Chance begreifen.