Vom Umgang mit Behinderten

Als ich anfing für diesen Artikel zu recherchieren dachte ich das wird ein sehr kurzer Artikel, doch dann kamen mir die Irrungen und Wirrungen in den Sinn, von denen es nicht wenige gibt.
Der Umgang mit Behinderten ist keine Einbahnstraße sondern wird auch durch Nachsicht und Einfühlungsvermögen, natürlich im Rahmen der Möglichkeiten geprägt.
Dafür ist der aus dem Volksmund abgeleitete Spruch „Wie man in den Wald hineinruft so Schallt es zurück“
Gleichbehandlung ist aber so eine diffizile Sache, darum gibt es so viele Unsicherheiten und Verwirrungen

Das wirken gesellschaftlicher Normen trifft auf beide Gruppen zu.
Was heißt eigentlich beide Gruppen? Es sind ja alles Individuen mit anderen Eigenschaften.
Gesellschaftliche Normen sind auch ein Grund für eine eventuelle Abstandshaltung beim ersten Zusammentreffen. (Der sieht anders aus – also erst mal abstand – man weiß ja nie was dahintersteckt).
Dass man den andern erst kennenlernen muss um ihn einzuschätzen trifft auf alle anderen Menschen zu, gleich ob er eine Behinderung hat, eine andere Hautfarbe als man selbst hat oder einfach ein Fremder ist.
Was ein Beispiel für eine Gleichbehandlung aller Menschen zu sein scheint.
Gleichbehandlung ist aber meistens Gleichstellung. Ein Mensch mit Behinderung bringt zwar nicht die gleichen Leistungen wie ein Mensch ohne Behinderung, hat aber die gleichen Rechte.
Was die Rechte betrifft so hat er gemäß der in seinem Behindertenausweis eingetragenen Buchstaben, also anerkannten Behinderungen noch mehr.
Andererseits haben manche Menschen mit Behinderung auf Grund ihrer Behinderung Fähigkeiten entwickelt die die von Menschen ohne Behinderung übertreffen

Hauptsächlich kommt es eben auf das manchmal an, man muss differenzieren. manchmal auch Mitleid mit Nichtbehinderten haben, weil sie einfach unsicher sind und Angst haben etwas falsch zu machen. Meistens sagt ein Mensch mit Behinderung irgendwie selbst, dass er Hilfe braucht.

Behinderung ist keine Frage des Alters und nicht immer von außen zu sehen. Wie auch Hirnverletzungen nicht gleich geistige Behinderung ist. Wie einige nicht von geistig Behindert reden, sondern von geistig anders begabt.

Den folgenden Satz hab ich unter Wikibooks gefunden: „Es gibt aggressive Behinderte, die anderen Menschen ohne ein Wort ihren Behindertenausweis vor die Nase halten und ein grobes „Los, weg da!“ als freundliche Aufforderung ansehen. Das Benehmen dieser Leute ist eine Schande! Sie schädigen nicht nur ihr eigenes Ansehen, sondern das Ansehen aller Behinderten.“
Da muss man auch wieder differenzieren, denn wie ist es denn mit einem Aphasiker, der kein Wort herausbekommt und doch weiß was er will.

Und dann war dann noch der Mann der nach einem Schlaganfall krankheitsbedingte  Persönlichkeitsveränderungen hatte, so dass ihn manchmal seine nächsten Angehörigen nicht wiedererkannten.
So viel kannste gar nich differenzieren, da wersde ja bleed. (Wie der Vogtländer spricht).
Also wird da nur Menschenkenntnis weiterhelfen. Und Menschenkenntnis erreicht man nicht indem man Vorurteile auslebt sondern den Menschen kennen lernt.

11.8.11 Im Garten des Weisbachschen Hauses.

 

Gestern trafen wir uns in der Selbsthilfegruppe „Hirnschädigung“ wieder wie schon vor ungefähr einem Jahr
Wir sprachen inmitten spätsommerlicher Flora, bei Kaffee und Kuchen über Schlaganfallfolgen, speziell Aphasie und mangelnde Leistungsfähigkeit im Besonderen zu reden. Auch über die Arbeit der Selbsthilfegruppe, die auch im Verein „Vital“ Vorträge über relevante Themen organisiert.

Der Zufall wollte es, dass dieses Mal gerade jüngere Betroffene und Mitglieder des Seniorenbeirates von Plauen zusammenkamen ,die auch über das Problem mangelnden Nachwuchses in Leitungsfunktionen klagten.
Dabei kam es auch nicht zu kurz, dass man die Schönheit der alten parkähnlichen Gartenanlage bewunderte.

/weisbachscher-garten


6.8.11 Das war´s dann erstmal

Heut noch, dann sind die zwei Wochen Verhinderungspflege
vorbei.

Und ich habe nicht alles was ich erledigen wollte erledigt. Zuhause geht es
also wie gewohnt weiter.

Eine neue Methode meine Beine zu kräftigen habe ich gefunden. Dazu brauche ich allerdings
etwas.

Ungefähr ein Meter Handlauf, also ein Stück Treppengeländer dient dazu mich
festzuhalten und aufzustehen.

Es sind Beinwechsel möglich und Bewegungen bis hin zu Kniebeugen.
Der einzige Nachteil ist, dass man die Bohrmaschine rausholen muss um das Ding richtig fest anzuschrauben.

Im Forum tauchte die Frage auf was man denn als erstes
therapieren sollte wenn man z.B. nach einem Schlaganfall mehrere problematische
Glieder hat.

Ich erachte es als weitgehend gleich.

Der Mensch ist ein komplexes System und jede Veränderung zieht Veränderungen
in  anderen Körperregionen mit sich.

Wenn ich wie in den letzten Tagen meine Beine am Handlauf trainiert habe so hat
sich das nebenher auf den gesamten Oberkörper Ausgewirkt.

Wenn man stehen will, so muss man den Beckenkamm in aufrechte Position bringen,
den Brustkorb darüber anordnen und darüber den Kopf, wobei man das Kinn
zurückgeschoben hat.

Bei mir ist vieles anders, durch mehr als ein Jahr liegen, die fehlenden
Hüftköpfe, die Außendrehung des rechten Knies usw.

Wenn man irgendwas verändert, verändert sich zusammenhängende Muskulatur auch.

Trotzdem muss man irgendwie Prioritäten setzen, wobei man dieses Thema nicht
aus den Augen verlieren darf.

Also erstmal
zum letzten Mal auf der Terrasse gefrühstückt.

margy-auf-der-terrasse

 

 

20.8.10 Bootsfahrt auf der Talsperre Pöhl

Gestern war zur Abwechslung mal wieder eine Veranstaltung der Selbsthilfegruppe “Aphasie durch Schlaganfall” an der Reihe.
Mit anderen Selbsthilfegruppen aus Sachsen trafen wir uns um eine Bootsfahrt auf dem Motorschiff, auf der Talsperre Pöhl zu unternehmen.
Das war auch die erste große Einsatzprobe für meinen E-Rollstuhl.

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19.6.10

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Hirnblutung und einem Schlaganfall?
Der wesentlichste Unterschied liegt darin, dass beide Ereignisse unterschiedliche Ursachen haben, aber in den Auswirkungen viele Gemeinsamkeiten.
Bei einem Schlaganfall wandert ein Ablagerungspfropfen ins Gehirn, setzt sich dort fest und versperrt die Sauerstoffversorgung eines Teils des Gewebes, welcher dann meistens abstirbt. In einigen Fällen kann man den Patienten kurz nach dem Schlaganfall mit der Lyse behandeln, worauf der Thrombus, wie man diesen Ablagerungspfropfen nennt, aufgelöst werden kann.
Eine Hirnblutung ist entweder eine intrazelebrale Blutung,  also eine Blutung des Schädelraumes wobei der Blutungsort im Schädeinneren liegt, eine Stammhirnblutung wobei meines Wissens nach der obere Teil des Rückenmarks im Bereich des Thalamus, des Verteilers geschädigt ist, oder eine extrazelebrale Blutung.
Die Gefahr besteht darin, dass das Gehirn durch den Druck vorübergehend, oder dauerhaft geschädigt wird.
Gemeinsamkeiten ergeben sich bei den Auswirkungen. wie schlaffer oder spastischer Lähmung verschiedener Teile des Körpers und andrer Behinderungen.

Da tut sich, um beim Thema von gestern zu bleiben auch die nächste Frage auf: “Wie wird man mit dem Druck fertig?”
Ich habe nur einkleines Loch im Schädel, was zugewachsen ist. Da ging ein Schlauch, eine Drainage heraus um den Druck auszugleichen. Ich habe aber auch Leute gesehen, die sind ohne Schädeldecke herumgefahren worden.
Die ist operativ enfernt (Trepanation) und

eingefroren worden um sie später wenn sich der Druck wieder ausgeglichen hat wieder aufzusetzen.
ungefähr 70% der Patienten mit Hirnblutungen übeleben, das bedeutet ich hab eigentlich Glück gehabt

6.6.10

Mir geht eine Frage nicht aus dem Kopf: Ist einer, den es weniger schlimm erwischt hat wirklich besser dran als ich?
Ich lag zwei Wochen im Koma, im ersten Jahr kam ich überhaupt nicht aus Kliniken heraus.
In dieser zeit musste ich mir zum Beispiel keine Gedanken machen ob ich eine rauche. Ich hatte einfach andere Sorgen. Auch das aufhören mit  dem rauchen war einfach. Ich brauchte dann gar nicht erst wieder anfangen, was mir auch nicht schwer fiel.

Das ist eigentlich nur eine Sache am Rande, auch die Ernährungsumstellung war so eine. Ich musste das Essen ja auch wieder neu lernen.

Eine viel kompliziertere Frage ist die der Einstellung zum erlebten. Die vielzitierte Akzeptanz, ab einem Moment von einem Istzustand auszugehen und darauf aufzubauen.
Wenn man “nur” akzeptieren muss und Fehler nicht wiederholen darf geht das um so besser je weiter die zeitliche Entfernung zu den Fehlern weg ist. Wenn die Erinnerung noch frisch ist und die Angst erlebtes wiederholen zu müssen dazu kommt, wie zum Beispiel einen neuen Schlaganfall erleiden zu müssen, ist es schon komplizierter.
Dann hilft nur zu hoffen und sich entsprechend zu verhalten.
Ich glaube um wirklich zu akzeptieren muss man schon einmal mit seinem Leben abgeschlossen haben. Denn nur dann kann man das “weitermachen dürfen” als eine neue Chance begreifen.