Archiv der Kategorie: Hirnschädigung

Die Lebenden … zum Tod von Roger Cicero

Viele haben gestern die Nachricht vom Tod von Roger Cicero durch einen Schlaganfall geteilt.
Auch mich berühren solche Nachrichten.
Doch ich muss auch an die weit über Zweihunderttausend anderen Schlaganfallopfer jedes Jahr allein in Deutschland denken deren Leben weitergeht.
Ich kenne viele, mich eingeschlossen, die vor dem fünfzigsten Lebensjahr einen Schlaganfall oder eine andere Hirnschädigung hatten. Meist werden ganze Familien aus ihrem gewohnten Leben gerissen.
Beziehungsprobleme und finanzielle Probleme lassen da, angesichts von Lähmungen und anderen Einschränkungen nicht lange auf sich warten.
Ganze Familien bräuchten dann Therapie. Auch auf psychosozialen Ebenen.
Häufig reicht es wenn jemand zum Reden da ist. Selbsthilfegruppen sind Knotenpunkte für Kommunikation, meistens vor Ort. Informationen holt man sich am besten bei denen die alles schon mal durch haben.
Vereine wie unserer sind dazu da, gemeinsam mit Betroffenen und ihren Angehörigen Wege zu finden um ein neues Selbstverständnis und eine neue Lebensperspektive zu finden.

Wie gesagt, auch mir gehen die Toten nahe, doch, ich muss auch an die Lebenden denken.

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Eine Geschichte

Es war Weihnachten.
Mulder biss noch einmal von seinem Käsebrötchen ab und nahm noch einen Schluck aus der Flasche.
Er dachte über seinen letzten Fall nach.
Und wieder fiel ihm ein Zitat von Benjamin Franklin ein.

„Eine der größten Tragödien im Leben ist der Mord an einer schönen Theorie durch eine Bande von brutalen Fakten.“

Tja, diesmal muss es Selbstmord gewesen sein, dachte er sarkastisch.
Aber war die Leiche überhaupt tot?
Da klingelte das Telefon…

Mein Leben ist ziemlich kompliziert.


Das geht schon bei der normalen Kommunikation los.
Nehmen wir nur das Phänomen der verlangsamten Wahrnehmung.
Wenn ich jemanden angucke in sehe wenn er sich anschickt zu sprechen, dann schaltet mein Gehirn auf Empfang und ich bekomkomme das erste Wort gleich mit.  Wenn er aber außerhalb meines Sichtfeldes ist vergehen zwei bis drei Millisekunden.
Ein Mensch spricht aber in drei Millisekunden schon zwei drei Wörter. Also bekomme ich den Anfang des Satzes nicht mit. Resultat ist entweder, dass ich mir den Anfang des Satzes aus dem Folgendem zusammen reine, was den Sinn verändern könnte oder ein “Wie bitte”.
Das häufige wie bitte geht aber einigen Leuten schon auf den Keks, deshalb versuche ich da gleich auf die Vervollständigung Methode zu setzen.

Im Straßenverkehr ist das anders, denn da erwarte ich unerwartetes wie Signale.
Unwichtige Dinge wie Gesichter werden ausgeblendet. Das heißt ich sehe dass da jemand ist, jedoch meistens nicht wer das ist.

Das nächste was das Leben schwer macht sind Höreinschränkungen in geschlossenen Räumen.
Denn durch Geräuschreflexionen fällt mir manchmal schwer zu orten woher ein Geäusch gekommen ist. Wenn ich wieder den Straßenverkehr entgegenstelle, so ist es da auch kein Problem weil es kein geschlossener Raum ist.
Einfach ist es auch wenn ich Kopfhörer aufhabe. Dann kann ich die Signalquelle mittels einer Simulation im Raum bewegen, also wie ich will. Also im Schnittpunkt von vier Punkten, doch da wird es noch komplizierter…

Wenn das so kompliziert ist wie soll man da einfach denken…

Und dann ist da noch dieses blöde Problem mit dem Reinreden.
Weil ich zusätzlich zu sehr mit dem beschäftigt bin was ich selbst sagen möchte hören ich nicht auf das was andere sagen wollen (das ist wie eine Art Tunnelblick).
Was mich dazu bringt kurz nachdem sie selbst angefangen haben, ihnen ins Wort zu fallen.

Und das geht mir selbst auf den Keks.

Wahrnehmung im künstlichen Koma

Ich hab mir in letzter Zeit ein paar Gedanken gemacht, im Zug in dem ich einige Vorträge vorbereiten durfte. Auch über das künstliche Koma, was wirklich ein künstlicher Tiefschlaf ist. Ich wurde nämlich letztens gefragt ob ich da was gefühlt oder gesehen hab. Nein.

Man stelle sich die Verbindung vom Bewusstsein, also der Wahrnehmung des Ich,  zur Außenwelt verschließbar durch eine Art Augenlid, wie bei einem Auge. Das Wahrnehmungsfeld   ist verschieden groß, bei einem erwachsenen gesunden Menschen ist das Lid fast ganz geöffnet, im künstlichen Tiefschlaf oder im Koma geht das Lid ein kleines bisschen auf.
Das alles nur in übertragenem Sinne. Der Patienten bekommt dabei ein sogenanntes Sedierungsmttel verabreicht, wahrscheinlich  vom Tropf, dass die Wirkung nicht nachlässt. Und während das abgesetzt  wird durchläuft  der Patient ein sogenanntes Durchgangssyndrom, eine Aufwachphase. In der „träumt“ er denk ich.
Meiner  Erfahrung nach Projiziert das Gehirn dann ein Gemisch von Hören, Sehen, Fühlen, riechen Gedankenimpulsen fast aus dem ganzen Gehirn, weil das Gehirn  ständig  das Wahrgenommene mit gespeicherten Informationen vergleicht und zumindest  im künstlichen Tiefschlaf die wenigen wahrgenommenen Informationen mit welchen aus dem Gedächtnis offenbar auffüllt. Nur so  lassen sich die von mir die erlebten Irrealen Erlebnisse während des künstlichen Tiefschlafs erklären. Das waren richtige kleine Filmchen, nur der Inhalt war irreal. Die Handlungen einiger hab ich später hier aufgeschrieben.

(Das sind Ruckschlüsse von mir und keine wissenschaftlichen Erkenntnisse).

Der Schlaganfall-Hilfe Bus auf dem Klostermarkt in Plauen

Wir hatten heute das Glück mit Mitgliedern der Ärztegenossenschaft Vogtland am Plauner Klostemarkt zu stehen. Gemeinsam mit der Ärztegenossenschaft und der AOK, die auch informierte, hatten wir den roten Doppelstockbus der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH + Co. KG mit dem die Stiftung Schlaganfall-Hilfe quer durch Deutschland tourte, unter dem Motto Herzenssache Schlaganfall über Schlaganfallrisiken wie hohen Blutdruck und Vorhofflimmern aufklärte, sowie unter Beteiligung der Ärzte umfassende individuelle Beratung Messungen von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker vollführte.

Die Ärztegenossenschaft war im und am Bus tätig und wir informierten über die Möglichkeiten der psychosozialen Rehabilitation, also über das Selbsthilfesystem, den Verein Vital e.V. und dessen Aktivitäten.
Mitglieder aus Plauen,  Syrau und Reichenbach waren dabei und so war es am Nachmittag wie eine kleine Selbsthilfegruppenveranstaltung bei uns an Stand.
Der Kultur und Sozialbürgermeister Uwe Teschner begrüßte im Namen der Stadt Plauen und informierte über deren Aktivitäten, auch gegenüber der Presse, für die eine kleine Pressekonferenz gegeben wurde.
Das Ganze dauerte nur vier Stunden, eigentlich viel zu wenig Zeit um umfassend zu informieren, Schlaganfallprävention zu betreiben, aber auch Wege vorzustellen wie es nach einem Schlaganfall weiter gehen kann.
Denn es geht auch darum nach einem Schlaganfall die Nachsorgekette nicht abreißen zu lassen und auch die Angehörigen nicht alleine zu lassen.
Der Bus fuhr weiter nach Chemnitz und wir bleiben im Vogtland und machen weiter.

Schlaganfallbus am 9.Juli 2015 auf dem Plauner Klostermarkt

Was Sie unter anderem am Infobus erwartet  Besprechen Sie alle Ihre Fragen rund um das Thema Vorhofflimmern und Schlaganfall mit Experten aus Ihrer Region. Je nach Bushalt und kooperierendem Klinikum befinden sich darunter:  Kardiologen, Neurologen, Allgemeinmediziner. Durch Schnelltests erfahren Sie, wie hoch Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko ist. Im Bus können Sie verschiedene Gesundheitswerte kostenlos bestimmen lassen:  Blutzuckerspiegel, Cholesterinwert, Blutdruck. Erhalten Sie Tipps, wie Sie Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko positiv beeinflussen können. Die wichtigsten Faktoren:  Bewegung, Ernährung, Stressvermeidung. Lernen Sie, woran Sie einen Schlaganfall erkennen, wie Sie bei Verdacht andere Menschen „testen“ können und was als Erstes zu tun ist. Informieren Sie sich über Reha-Maßnahmen nach einem Schlaganfall und wie Patienten zurück ins Leben finden können.

Was Sie unter anderem am Infobus erwartet

Besprechen Sie alle Ihre Fragen rund um das Thema Vorhofflimmern und Schlaganfall mit Experten aus Ihrer Region. Je nach Bushalt und kooperierendem Klinikum befinden sich darunter:

  • Kardiologen,
  • Neurologen,
  • Allgemeinmediziner.

Durch Schnelltests erfahren Sie, wie hoch Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko ist. Im Bus können Sie verschiedene Gesundheitswerte kostenlos bestimmen lassen:

  • Blutzuckerspiegel,
  • Cholesterinwert,
  • Blutdruck.

Erhalten Sie Tipps, wie Sie Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko positiv beeinflussen können. Die wichtigsten Faktoren:

  • Bewegung,
  • Ernährung,
  • Stressvermeidung.

Lernen Sie, woran Sie einen Schlaganfall erkennen, wie Sie bei Verdacht andere Menschen „testen“ können und was als Erstes zu tun ist.
Informieren Sie sich über Reha-Maßnahmen nach einem Schlaganfall und wie Patienten zurück ins Leben finden können.

Und wir sind auch da

Senkrecht oder Waagerecht

Zu Anfang aus der Assoziation ein Witz: Wie wurde der Kreuzworträtselkönig begraben?

Zwei Senkrecht, drei Waagerecht.

Was ich aber eigentlich sagen wollte ist das die menschliche Physiologie schon wunderlich ist.
Während ich sitzen kann, kurzzeitig mit festhalten (sonst falle ich um) auch stehen, liege ich da wie ein Plattfisch und komme nur mit Mühe in eine Krabbelposition hoch, aus der ich dann allerdings nicht vorwärts komme.
Das ist zwar fast das erste was ein Baby beherrsch aber bei mir ist wie fast immer alles anders. Ich konnte das auch einmal, doch dann brach mit der Stammhirnblutung vor nunmehr elf Jahren meine gesamte Körperspannung zusammen.
Danach noch zwei Wochen künstlicher Tiefschlaf. Bei dem ganzen vermute ich passierte folgendes.

Das Muskelsystem degeneriert in zwei Wochen fast völlig.
Man braucht im Normalzustand aber Jahre um das wieder aufzubauen.
Wenn dann noch Neurologische Probleme dazukommen wie Lähmungen dazukommen dauert es noch viel länger. Bei mir kam das in gedrängter Form und dazu kommt noch dass ich durch eine verschleppte Infektion die Hüftköpfe verlor.
Das Gehirn kann sich durch die neuronale Plastikzitat zwar in Großen Grenzen selbst reorganisieren, Hüftköpfe wachsen jedoch nicht nach. Doch das nur nebenher.

Wir waren bei den neurologischen Problemen.
Ich habe eine Tetraparese, das heißt ich überall teilweise irgendwie gelähmt. Auf der gesamten rechten Seite fast völlig sensibel, wie man es sich landläufig vorstellt, ansonsten reagiert die Muskulatur nicht so wie sie sollte. Vorzugsweise in einer Art Muskelschwache. Eine Parese ist eine nicht vollständige Lähmung, sonst würde das Paralyse heißen.
Was das verstehen noch verwirrter macht ist, dass die Lähmungen am Kopf genau auf der anderen Seite verlaufen wie am Körper oder wie in meinem Falle bunt durcheinander.
Die Muskellähmung verläuft fast völlig auf der rechten Seite und die sensible Lähmung vorzugsweise auf der linken.Wasaber den Muskelwiederaufbau entschieden beeinflusst ist der Tagesaufbau in eine senkrechte und eine Waagerechter Phase.
Das Entscheidende ist die waagerechte Position.
Während der Körper in dieser Position ist, ist er zu meisten Teilen mit schlafen beschäftigt, ist also total entspannt. So kann man beim besten Willen keine Muskulatur aufbauen. Am Tag ist man in einer annähernd aufrechten Position und bei allem was man macht muss man den Körper anspannen um nicht umzufallen. Das ist fast unbewusste Dauertherapie.
Und die Therapie durch einen Therapeuten obendrein.
Mittlerweile benötige ich die um meinen Zustand zu halten. Da geht nicht mehr viel vorwärts.
Also versuchen wir aus dem was vorhanden ist was zu machen.